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Im „Entjudungsinstitut“ strichen die NS-Protestanten das Alte Testament

Das Lutherhaus in Eisenach dokumentiert den Judenhass des Reformators und die Mühen von NS-Protestanten, Juden aus der Bibel zu tilgen.

Die Süddeutsche Zeitung stellt in ihrer Online-Ausgabe die neu eröffnete Ausstellung in der Wartburgstadt vor. Rudolf Neumeier schreibt:

Foto: bbsMEDIEN - Anna-Lena Thamm

Foto: bbsMEDIEN – Anna-Lena Thamm

Die evangelische Kirche in Deutschland hat sich in der vergangenen Woche von Martin Luthers Judenfeindlichkeit distanziert. Die Meldung klang etwas skurril. Der Reformator Luther wirkte vor 500 Jahren. Die deutschen Protestanten brauchten also ein halbes Jahrtausend, um Luthers dumpfe Seite wahrzunehmen. Sie sprechen „hinsichtlich des Versagens der Kirchen gegenüber dem Judentum“ von einem Lernprozess, der nach 1945 eingesetzt habe.

Ein ziemlich zäher Prozess, denn er dauert nun auch schon wieder zwei Generationen. Andererseits: Es lässt sich als Lernerfolg verbuchen, dass die Protestanten nicht weitere 500 Jahre brauchen, um sich ihrer antisemitischen Vergangenheit im Nationalsozialismus zu stellen.

Das wiedereröffnete Lutherhaus in Eisenach schreitet voran: Es geht offensiv mit jener evangelischen Theologie um, die sich mit Aberwitz und Leidenschaft dafür einsetzte, den protestantischen Glauben an Hitler anzupassen.

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Jenaer Oberbürgermeister erklärt die Welt

albrecht-schroeterKlar, dass man als Stadtoberhaupt angesichts der Zahlen der unterzubringenden und zu versorgenden Flüchtlinge schon mal nervös werden kann. Doch Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter  (SPD) scheint die Orientierung gänzlich verloren zu haben.

Laut Ostthüringer Zeitung vom 18. September 2015  machte er die Außenpolitik der USA und Deutschlands, insbesondere „die islamfeindliche US-Politik der vergangenen Jahrzehnte“ für die Flüchtlingskrise mitverantwortlich – anscheinend ohne etwas von dem „Kuschelkurs“ Präsident Obamas gegenüber dem Iran mitbekommen zu haben.

Aber nicht nur das: In der Tradition des klassischen Antisemitismus, der heute als Antiisraelismus daher zu kommen pflegt, tragen die Juden bzw. der Staat Israel die Schuld.

„Deutschland muss seine Rolle im Nahost-Konflikt ändern“, betonte Schröter im Kontext der Flüchtlingskrise. „Es muss aus seiner vornehmen Zurückhaltung gegenüber Israel als Besatzerstaat heraustreten.“

Bereits 2012 hatte sich Jenas Oberbürgermeister weg von der Kommunalpolitik hin zur Außenpolitik begeben, als er eine antiisraelische Boykottaktion unterstützte, mit der die katholische Organisation „pax Christi“ versuchte, den Vertrieb von „Waren aus völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen“ zu verhindern.

Vernünftig lässt sich nicht erklären, wie Albrecht Schröter zur Meinung kommt, ein Umdenken im deutsch-israelischen Verhältnis könne etwas beitragen dazu, dass „dass die Menschen wieder Anreize haben, in ihren Ländern zu bleiben“. So liegt wohl tatsächlich jene „moralische Überheblichkeit“ vor, die Vera Lengsfeld bei Albrecht Schröter diagnostizierte. Sie bezieht sich dabei auf den Holocaust-Überlebenden und Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész. Der schrieb schon vor zehn Jahren: „Europa kapituliert“, „nach Hitler steht hier ein Kontinent ohne Argumente: die Türen weit offen für den Islam“. „So geht es, wenn Überheblichkeit und Feigheit die beherrschenden Charakterzüge sind.“ Diese erkannte Kertész besonders „jetzt, da Europa sich offen zur Zerstörung Israels bekennt“. (Imre Kertész: Letzte Einkehr, Hamburg, 2015)

Nachtrag am 23.09.2015:

Nachtrag am 28.09.2015:

Judenfeindliche Übersetzung in Luthers Bibel wird korrigiert

BibelNach gut 30 Jahren erscheint 2017 wieder eine neue Version der Lutherübersetzung. Wissenschaftler und Theologen haben in den vergangenen fünf Jahren die bisherige Fassung an tausenden von Stellen überarbeitet. Nach Jahrzehnten der „Modernisierung“ der Sprache wurde jetzt eine Übersetzung erstellt, die der Sprache des Reformators die Treue hält.

Luther habe sich „mit großer Kenntnis und Gründlichkeit um Treue zu den Originaltexten bemüht“, und deshalb kehre man „nun des Öfteren auf der Basis heutiger wissenschaftlicher Quelleninterpretation zu Luthers Übersetzungen zurück, weil wir merken, dass er das Richtige traf“ – so Altbischof Prof. Dr. Christoph Kähler, der den Lenkungsausschuss leitet, der im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland die neue Durchsicht der Lutherbibel koordiniert.

Das gilt sogar bei einem Thema, wo die Theologie heute strikt auf Distanz zu Luther achtet, beim Verhältnis zu den Juden. Im zweiten Kapitel der Offenbarung geht es um üble Leute, die sich als Juden ausgeben, es aber nicht sind. Da stand 1545 bei Luther: „Sie sind Jüden / und sind’s nicht / sondern sind des Satans schule.“

Daraus wurde 1984 extrem antijudaistisch, jene Leute seien „die Synagoge des Satans“. Jetzt aber kommen die Exegeten zu dem Schluss, dass die Synagoge nicht gemeint war. Daher sei Luthers neutralere Übersetzung angemessener. 2017 wird die „Synagoge“ gestrichen. An ihre Stelle tritt die „Versammlung“ des Satans statt der sprachlich kühnen „Schule“ von Luther.

„Klezmer-Orchester“ probt für die Lange Nacht

Die „Thüringer Allgemeine“ berichtet in ihrer Erfurter Lokalausgabe vom 18. Februar 2015 über die Vorbereitungen zur 4. Langen Nacht des Klezmer, die am 7. März um 19.30 Uhr in der Reglerkirche beginnt.

Neu ist vor allem das Klezmer-Orchester, das sich aus interessierten Musikern im Amateurbereich recht spontan zusammengefunden und jetzt mit den Proben begonnen hat. Das nur einmal in dieser Zusammensetzung auftretende Ensemble wird gegen Mitternacht das große Finale der Langen Nacht bestreiten – gemeinsam mit der Orgel der Reglerkirche, an der Kantor Johannes Häußler spielen wird.

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„Klezmer-Orchester soll Nacht mit jüdischer Musik krönen“

Hier der Beitrag der „Thüringer Allgemeinen“ zum Download:

27. Januar als Tag der nationalen Besinnung

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), der ehemalige Wehrbeauftragte des Bundestages Reinhold Robbe, hat den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz zum Anlass genommen, sich für den 27. Januar als „arbeitsfreien Zentralen Gedenktag für die Opfer der Hitler-Diktatur“ auszusprechen. Dieser Gedenktag wäre ein wichtiger Beitrag dafür, das Andenken an die Opfer zu erhalten und gleichzeitig alle künftigen Generationen an die spezielle deutsche Verantwortung für Menschenwürde, Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit zu erinnern.

Dieser Vorschlag ist zu begrüßen. Nicht um einen weiteren arbeitsfreien Tag zu genießen. Vielmehr brauchen wir einen Tag der nationalen Besinnung, des Dialogs und der Begegnung. Wenn es gelänge, im Blick auf Fragen wie Aufnahme von Flüchtlingen, Rechte von Minderheiten, Beziehungen zum Staat Israel einen breiten und echten Meinungsaustausch zu organisieren, hätte wir aus der Vergangenheit gelernt!