Schlagwort-Archive: Antisemitismus

Im „Entjudungsinstitut“ strichen die NS-Protestanten das Alte Testament

Das Lutherhaus in Eisenach dokumentiert den Judenhass des Reformators und die Mühen von NS-Protestanten, Juden aus der Bibel zu tilgen.

Die Süddeutsche Zeitung stellt in ihrer Online-Ausgabe die neu eröffnete Ausstellung in der Wartburgstadt vor. Rudolf Neumeier schreibt:

Foto: bbsMEDIEN - Anna-Lena Thamm

Foto: bbsMEDIEN – Anna-Lena Thamm

Die evangelische Kirche in Deutschland hat sich in der vergangenen Woche von Martin Luthers Judenfeindlichkeit distanziert. Die Meldung klang etwas skurril. Der Reformator Luther wirkte vor 500 Jahren. Die deutschen Protestanten brauchten also ein halbes Jahrtausend, um Luthers dumpfe Seite wahrzunehmen. Sie sprechen „hinsichtlich des Versagens der Kirchen gegenüber dem Judentum“ von einem Lernprozess, der nach 1945 eingesetzt habe.

Ein ziemlich zäher Prozess, denn er dauert nun auch schon wieder zwei Generationen. Andererseits: Es lässt sich als Lernerfolg verbuchen, dass die Protestanten nicht weitere 500 Jahre brauchen, um sich ihrer antisemitischen Vergangenheit im Nationalsozialismus zu stellen.

Das wiedereröffnete Lutherhaus in Eisenach schreitet voran: Es geht offensiv mit jener evangelischen Theologie um, die sich mit Aberwitz und Leidenschaft dafür einsetzte, den protestantischen Glauben an Hitler anzupassen.

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Anmelden oder draußen bleiben müssen

Gehen müssen oder bleiben? Europas Juden auf der Suche nach Sicherheit und Heimat.
Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Dr. Rafael Seligmann und Ministerpräsident Bodo Ramelow

passkontrolle_airport_tel_avivEinige Juden verlassen Europa, um in Israel ihre Heimat zu finden. Weitaus mehr Juden aber verlassen ihre europäische Heimat, um in Israel Sicherheit zu finden. In seinem Artikel „Wir gehen! Europas Judentum ist bald nur Geschichte“ in der Wochenzeitung DIE ZEIT 7/2015 hat Dr. Rafael Seligmann die Zunahme antisemitischer Anfeindungen und Verbrechen in Europa beschrieben mit der Konsequenz: „Die Juden waren – und sind? – Teil der europäischen Identität. Doch das Judentum in Europa ist im Begriff zu erlöschen.“ Nichtjuden und Juden fordert er auf, dieses zu verhindern.

Foto: Passkontrolle bei der Einreise nach Israel im Ben Kurien International
(© Matthias Hinrichsen, israelmagazin.de)

Termin: Dienstag, 3. November 2015, 19:00 Uhr (In Kalender eintragen)
Ort: Thüringer Staatskanzlei, Barocksaal, Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt
Anmeldeschluss: 30. Oktober 2015

 Programm:

Begrüßung: Bodo Ramelow, Thüringer Ministerpräsident
Einführung: Dr. Rafael Seligmann, Schriftsteller, Herausgeber der Jewish Voice from Germany

Podiumsdiskussion
Bodo Ramelow, Thüringer Ministerpräsident
Dr. Rafael Seligmann, Schriftsteller, Herausgeber der Jewish Voice from Germany

Moderation: Blanka Weber, Freie Journalistin

Schlusswort: Mechthild Schlichting, Leiterin des Europäischen Informations-Zentrums Thüringen

Musikalische Umrahmung: Svetlana Kundish (Gesang), Franka Lampe (Akkordeon), Johannes Paul Gräßer (Geige)

Die Veranstaltung findet im Rahmen der 23. Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur statt.

Anmeldung

Europäisches Informations-Zentrum (EIZ) in der Thüringer Staatskanzlei
Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt

Fax: 0361 37 92 969
E-Mail: martina.uth@tsk.thueringen.de

Anmeldeschluss: 30. Oktober 2015

Flyer Juden in Europa
programmheft.2015.erfurt

Was ist das Gegenteil von „Jude“?

Eine Frage, die im christlich-jüdischen Verhältnis ja durchaus relevant sein könnte. Gestellt hat sie der Berliner „Tagesspiegel“. Aber da ging es um Gewalt:

35-format13Es ist etwa 6.30 am Sonntagmorgen, als der U-Bahnzug der Linie 12 auf dem Bahnhof Hallesches Tor hält. Ein junger Mann steigt aus und wird in diesem Augenblick von einem Unbekannten gefragt, ob er Jude sein. Obwohl das Gegenteil stimmt, bejaht der 25-Jährige die Frage, und da setzt es schon einen Schlag. Der Unbekannte hatte ihm laut Polizeibericht ins Gesicht geschlagen…

Aufmerksam gemacht auf diese Meldung hat Tapfer im Nirgendwo.

Jenaer Oberbürgermeister erklärt die Welt

albrecht-schroeterKlar, dass man als Stadtoberhaupt angesichts der Zahlen der unterzubringenden und zu versorgenden Flüchtlinge schon mal nervös werden kann. Doch Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter  (SPD) scheint die Orientierung gänzlich verloren zu haben.

Laut Ostthüringer Zeitung vom 18. September 2015  machte er die Außenpolitik der USA und Deutschlands, insbesondere „die islamfeindliche US-Politik der vergangenen Jahrzehnte“ für die Flüchtlingskrise mitverantwortlich – anscheinend ohne etwas von dem „Kuschelkurs“ Präsident Obamas gegenüber dem Iran mitbekommen zu haben.

Aber nicht nur das: In der Tradition des klassischen Antisemitismus, der heute als Antiisraelismus daher zu kommen pflegt, tragen die Juden bzw. der Staat Israel die Schuld.

„Deutschland muss seine Rolle im Nahost-Konflikt ändern“, betonte Schröter im Kontext der Flüchtlingskrise. „Es muss aus seiner vornehmen Zurückhaltung gegenüber Israel als Besatzerstaat heraustreten.“

Bereits 2012 hatte sich Jenas Oberbürgermeister weg von der Kommunalpolitik hin zur Außenpolitik begeben, als er eine antiisraelische Boykottaktion unterstützte, mit der die katholische Organisation „pax Christi“ versuchte, den Vertrieb von „Waren aus völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen“ zu verhindern.

Vernünftig lässt sich nicht erklären, wie Albrecht Schröter zur Meinung kommt, ein Umdenken im deutsch-israelischen Verhältnis könne etwas beitragen dazu, dass „dass die Menschen wieder Anreize haben, in ihren Ländern zu bleiben“. So liegt wohl tatsächlich jene „moralische Überheblichkeit“ vor, die Vera Lengsfeld bei Albrecht Schröter diagnostizierte. Sie bezieht sich dabei auf den Holocaust-Überlebenden und Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész. Der schrieb schon vor zehn Jahren: „Europa kapituliert“, „nach Hitler steht hier ein Kontinent ohne Argumente: die Türen weit offen für den Islam“. „So geht es, wenn Überheblichkeit und Feigheit die beherrschenden Charakterzüge sind.“ Diese erkannte Kertész besonders „jetzt, da Europa sich offen zur Zerstörung Israels bekennt“. (Imre Kertész: Letzte Einkehr, Hamburg, 2015)

Nachtrag am 23.09.2015:

Nachtrag am 28.09.2015: