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„70 Jahre Staat Israel. Ein Termin im christlichen Kalender?“ – Eine Stellungnahme

Die Fachgruppe Christen und Juden der Evangelischen Kirche im Rheinland hat eine Gottesdienst-Arbeitshilfe „70 Jahre Staat Israel. Ein Termin im christlichen Kalender?“ veröffentlicht. Wesentlichen Aussagen dieser Schrift ist zu widersprechen. Deshalb  geben wir die folgende Stellungnahme ab.

In Israel hat man in der vergangenen Woche zwei Tage lang mit vielen Parties recht fröhlich die 70. Wiederkehr der Gründung des Staates gefeiert. Vielleicht auch nach dem Motto: Sorgen haben wir dann morgen wieder genug! Als evangelische Christin oder Christ musste man den israelischen Unabhängigkeitstag nicht unbedingt so ausgelassen mitfeiern wie in Israel; Ausgelassenheit gehört sowieso nicht zu den protestantischen Tugenden. Nach unserem Kalender haben wir den Geburtstag im Mai außerdem noch vor uns, die Einladungen dazu sind zusammen mit der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen schon verschickt.

Doch so griesgrämig, so zweifelnd wie die Evangelische Kirche im Rheinland kann man es wirklich nicht machen. Sie hat ihren Gemeinden eine „Arbeitshilfe“ zum Anlass geschickt und ein Fragezeichen hinter ihre Gratulation gesetzt: „70 Jahre Staat Israel. Ein Termin im christlichen Kalender?“. „Arbeitshilfe“ ist eine spezifisch kirchliche Literaturgattung. Für sie ist typisch ein Raunen der Sprache, hier schon im Vorwort: „Wir wissen um die besondere Bedeutung, die der Staat Israel auch für die jüdische Gemeinschaft bei uns … hat“ schreibt man, statt die Bedeutung zu benennen, oder: „Wir teilen die Freude über das Bestehen dieses Staates“ anstelle sich zu freuen.

Wirklich bedrückend ist jedoch, dass es beim Thema Israel für eine Landeskirche in Deutschland nicht ohne ein „sowohl … als auch“ zu gehen scheint. Keine Mitfreude ohne das Leiden der Palästinenser in jedem Abschnitt, in jedem Gebet des angefügte Gottesdienstentwurfes! Keine Frage, es gibt Leiden infolge der Gründung des Staates Israel. Doch ein konsequentes kirchliches „sowohl … als auch“ dürfte ebenso die Vertreibung von 750.000 Juden aus arabischen Staaten als eine der Folgen israelischer Unabhängigkeit nicht verschweigen. Jahrhundertealtes jüdisches Leben in muslimischer Kultur kam in der Folge an sein unwiederbringliches Ende.

Streiten über geschichtliche Wahrheiten kann man freilich nicht mehr, wenn das biblische Verbot falsch Zeugnis zu reden verletzt wird. „Die von den Vereinten Nationen beschlossene Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat hat zu einem grausamen Krieg geführt.“ Nein, nicht der Plan, Arabern wie Juden einen eigenen Staat zu ermöglichen, führte zum Krieg, sondern arabisches Nein zu jeglichem jüdischen Staat – das im übrigen als palästinensisches Nein bis zum heutigen Tag andauert.

„Am Ende des Krieges hatten die Juden ihren Staat, der weit größer war, als es der Teilungsplan vorsah. Und die Palästinenser nichts.“ Nein! Denn wie sonst hätte Jerusalem bis 1967 eine geteilte Stadt werden können!

Die Falschaussagen liegen darin begründet, dass die „Arbeitshilfe“ den Begriff „Palästinenser“ unhistorisch und einem Narrativ der Fatah und Hamas folgend verwendet. Wenn die rheinische Kirche die mehr als 20 Prozent arabische Bevölkerung innerhalb der Grenzen des Staates Israel, die dieselben Rechte haben wie jeder Israeli, als „Palästinenser“ bezeichnet, betreibt sie ein Geschäft, das den Staat Israel nicht erhalten, sondern aufweichen will. Insofern ist die abschließende Gebetshoffnung, „dass gerechte und friedvolle Koexistenz zwischen beiden Völkern in diesem Land früher als in fünfzig Jahren möglich und länger als einhundertundzwanzig Jahre währen wird“, unehrlich.

Auch die Christen im Heiligen Land werden den Palästinensern zugeschlagen. Darum ist für die rheinische Kirche wegen zweier im Unabhängigkeitskrieg zerstörter christlich bewohnter arabischer Dörfer „die Staatsgründung Israels … ein Datum im christlichen Märtyrerkalender“. Hier wird palästinensische Terminologie des politischen und des Terrorkampfes (auch jeder Attentäter gilt dort als Märtyrer) in evangelische Gemeinden im Rheinland eingeführt.

Mit palästinensischer Theologie wird genauso verfahren: „Die palästinensischen Christen leben seit zweitausend Jahren im Land.“ Spätestens hier gibt es für eine Kirche keine Entschuldigung wegen Unwissenheit mehr. Nicht Palästinenser bildeten die Jüngerschaft des Jesus von Nazaret. Jüdinnen und Juden waren es, die die Botschaft vom auferweckten Christus zu den Völkern brachten, weil sie auf die Verwirklichung des biblisch angekündigten Friedens zwischen dem Volk Israel und den Völkern in der Jetztzeit hofften. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat mit ihrer „Arbeitshilfe“ jedoch in Zeiten christlich-jüdischer Vergegnung zurückgeführt, die man vergangen gehofft hatte. Sie hat einen Beitrag zum Unfrieden zwischen Juden und Christen herausgegeben.

Ricklef Münnich

Anmelden oder draußen bleiben müssen

Gehen müssen oder bleiben? Europas Juden auf der Suche nach Sicherheit und Heimat.
Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Dr. Rafael Seligmann und Ministerpräsident Bodo Ramelow

passkontrolle_airport_tel_avivEinige Juden verlassen Europa, um in Israel ihre Heimat zu finden. Weitaus mehr Juden aber verlassen ihre europäische Heimat, um in Israel Sicherheit zu finden. In seinem Artikel „Wir gehen! Europas Judentum ist bald nur Geschichte“ in der Wochenzeitung DIE ZEIT 7/2015 hat Dr. Rafael Seligmann die Zunahme antisemitischer Anfeindungen und Verbrechen in Europa beschrieben mit der Konsequenz: „Die Juden waren – und sind? – Teil der europäischen Identität. Doch das Judentum in Europa ist im Begriff zu erlöschen.“ Nichtjuden und Juden fordert er auf, dieses zu verhindern.

Foto: Passkontrolle bei der Einreise nach Israel im Ben Kurien International
(© Matthias Hinrichsen, israelmagazin.de)

Termin: Dienstag, 3. November 2015, 19:00 Uhr (In Kalender eintragen)
Ort: Thüringer Staatskanzlei, Barocksaal, Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt
Anmeldeschluss: 30. Oktober 2015

 Programm:

Begrüßung: Bodo Ramelow, Thüringer Ministerpräsident
Einführung: Dr. Rafael Seligmann, Schriftsteller, Herausgeber der Jewish Voice from Germany

Podiumsdiskussion
Bodo Ramelow, Thüringer Ministerpräsident
Dr. Rafael Seligmann, Schriftsteller, Herausgeber der Jewish Voice from Germany

Moderation: Blanka Weber, Freie Journalistin

Schlusswort: Mechthild Schlichting, Leiterin des Europäischen Informations-Zentrums Thüringen

Musikalische Umrahmung: Svetlana Kundish (Gesang), Franka Lampe (Akkordeon), Johannes Paul Gräßer (Geige)

Die Veranstaltung findet im Rahmen der 23. Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur statt.

Anmeldung

Europäisches Informations-Zentrum (EIZ) in der Thüringer Staatskanzlei
Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt

Fax: 0361 37 92 969
E-Mail: martina.uth@tsk.thueringen.de

Anmeldeschluss: 30. Oktober 2015

Flyer Juden in Europa
programmheft.2015.erfurt

Extremisten brennen Kirche in Bethlehem nieder

Mar Charbal-KircheDie maronitische Mar Charbal-Kirche im Wadi Maali Viertel in Bethlehem ist durch ein Feuer teilweise niedergebrannt. Das Feuer sei im zweiten Stock des Klosters ausgebrochen, habe aber Schaden an anderen Teilen des Gebäudes angerichtet. Das berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan in einer kurzen lakonischen Meldung. Verletzte habe es nicht gegeben. Die palästinensische Polizei, die Stromgesellschaft und die Abteilung für Zivilverteidigung hätten eine Untersuchung des Brandes eingeleitet.

Während Präsident Mahmoud Abbas und die palästinensische Regierung eisern schweigen, behauptete der griechisch-orthodoxe Priester Gabriel Nadaf aus Nazareth, dass die Kirche mehrmals von „palästinensischen Extremisten“ bedroht worden sei und dass die in der Nacht zum Sonntag das Feuer gelegt hätten. „Ich verurteile von Herzen die Gleichgültigkeit der palästinensischen Behörde, wenn es um den Schutz christlicher Stätten unter ihrer Kontrolle geht. Ich hoffe, dass die Christenführer, die nach der Brandschatzung der Brotvermehrungskirche in Tabgha demonstriert haben, auch jetzt wegen dieser schrecklichen Tat demonstrieren werden.“

Nadaf beklagte weiter, dass es zahlreiche Attacken gegen christliche Stätten in den palästinensischen Gebieten gegeben habe, dass aber die Autonomiebehörde dazu geflissentlich schweige, weil sie derartige Verstöße gegen die Religionsfreiheit in ihren Gebieten „unter den Teppich“ kehre.

In dem Maali-Viertel zwischen Bethlehem und dem Flüchtlingslager Dehaische gibt es eine hohe Konzentration muslimischer Extremisten angesichts wiederholter Razzien und Verhaftungen durch israelische Soldaten.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat den Brand auf seiner Facebook-Seite kommentiert: „Leider ist Israel das einzige Land im Nahen Osten, in dem die christliche Gemeinschaft wächst. Woanders werden Christen angegriffen und verfolgt, auch in der palästinensischen Autonomiebehörde, Bethlehem inbegriffen, der Geburtsstätte des Christentums. Auch dort schrumpft die christliche Gemeinde.“ Weiter schrieb Netanjahu: „Falls die Kirche von Extremisten angezündet worden ist, erwarte ich von der Autonomiebehörde, alles in ihren Kräften stehende zu tun, die Verantwortlichen zu fangen, so wie es Israel getan hat nach Angriffen auf Heilige Stätten aller Religionen.“

Vorläufig haben weder internationale Nachrichtenagenturen noch israelische Medien den Brand in Bethlehem aufgegriffen, mit einer Ausnahme. Die Brandschatzung des Klosters in Tabgha am See Genezareth hatte hingegen tagelang große Schlagzeilen gemacht hat, wahrscheinlich, weil extremistische Juden als Täter verdächtigt worden sind. Mehrere radikale Juden wurden verhaftet und warten auf ihren Prozess. Inzwischen hat Staatsanwalt Jehuda Weinstein erklärt, dass der Staat Israel für die Schäden an dem deutschen Benediktinerkloster aufkommen werde.

© Ulrich W. Sahm

Jenaer Oberbürgermeister erklärt die Welt

albrecht-schroeterKlar, dass man als Stadtoberhaupt angesichts der Zahlen der unterzubringenden und zu versorgenden Flüchtlinge schon mal nervös werden kann. Doch Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter  (SPD) scheint die Orientierung gänzlich verloren zu haben.

Laut Ostthüringer Zeitung vom 18. September 2015  machte er die Außenpolitik der USA und Deutschlands, insbesondere „die islamfeindliche US-Politik der vergangenen Jahrzehnte“ für die Flüchtlingskrise mitverantwortlich – anscheinend ohne etwas von dem „Kuschelkurs“ Präsident Obamas gegenüber dem Iran mitbekommen zu haben.

Aber nicht nur das: In der Tradition des klassischen Antisemitismus, der heute als Antiisraelismus daher zu kommen pflegt, tragen die Juden bzw. der Staat Israel die Schuld.

„Deutschland muss seine Rolle im Nahost-Konflikt ändern“, betonte Schröter im Kontext der Flüchtlingskrise. „Es muss aus seiner vornehmen Zurückhaltung gegenüber Israel als Besatzerstaat heraustreten.“

Bereits 2012 hatte sich Jenas Oberbürgermeister weg von der Kommunalpolitik hin zur Außenpolitik begeben, als er eine antiisraelische Boykottaktion unterstützte, mit der die katholische Organisation „pax Christi“ versuchte, den Vertrieb von „Waren aus völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen“ zu verhindern.

Vernünftig lässt sich nicht erklären, wie Albrecht Schröter zur Meinung kommt, ein Umdenken im deutsch-israelischen Verhältnis könne etwas beitragen dazu, dass „dass die Menschen wieder Anreize haben, in ihren Ländern zu bleiben“. So liegt wohl tatsächlich jene „moralische Überheblichkeit“ vor, die Vera Lengsfeld bei Albrecht Schröter diagnostizierte. Sie bezieht sich dabei auf den Holocaust-Überlebenden und Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész. Der schrieb schon vor zehn Jahren: „Europa kapituliert“, „nach Hitler steht hier ein Kontinent ohne Argumente: die Türen weit offen für den Islam“. „So geht es, wenn Überheblichkeit und Feigheit die beherrschenden Charakterzüge sind.“ Diese erkannte Kertész besonders „jetzt, da Europa sich offen zur Zerstörung Israels bekennt“. (Imre Kertész: Letzte Einkehr, Hamburg, 2015)

Nachtrag am 23.09.2015:

Nachtrag am 28.09.2015: