„Zwischen Schtetl und Judería. Aschkenasische und sephardische Musik“

Vom 14. bis 16. Juni 2017 führt das Research Centre des Max-Weber-Kolleg Erfurt „Dynamik ritueller Praktiken im Judentum in pluralistischen Kontexten von der Antike bis zur Gegenwart“ an der Universität Erfurt eine Tagung zum Thema „Shared Ritual Practices and Divided Historiography: Media, Phenomena, Topoi“ durch.

Das Research Centre lädt im Rahmen dieser Tagung am Mittwoch, dem 14. Juni, um 19 Uhr, zu einem öffentlichen Konzert mit Vortrag in den Erfurter Rathausfestsaal ein:

Tehila Nini Goldstein & Jascha Nemtsov: „Zwischen Schtetl und Judería. Aschkenasische und sephardische Musik“

Tickets für 10 € bzw. 5 € für Studierende sind an der Abendkasse und in der Erfurt Tourist Information, Benediktsplatz 1, erhältlich.

Die Sopranistin Tehila Nini Goldstein ist mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Erklingen wird ein Repertoire, das man sonst kaum zu hören bekommt: eine Auswahl aus dem Zyklus „Coplas sephardies“ von Alberto Hemsi, sowie Lieder der Komponisten der Neuen Jüdischen Schule. Es handelt sich dabei um anspruchsvolle Stücke für das Konzertrepertoire, die auf Elementen der sephardischen bzw. jiddischen Musikfolklore basieren und zum großen Teil noch nie in Deutschland aufgeführt wurden.

Begleitet wird Frau Goldstein von Jascha Nemtsov (Klavier). Prof. Nemtsov wird, im Konzert verteilt, einen Vortrag zum Thema „Alberto Hemsi (1898-1975) und die Entwicklung der jüdischen Kunstmusik im 20. Jahrhundert“ halten.

Alberto Hemsi (1898–1975) wurde in einer jüdischen Familie in Smyrna (heute: Izmir) in der Türkei geboren. Nach seinen Studien an der Société Musicale Israélite in Izmir und am Konservatorium in Mailand lebte er in Ägypten. Er beschäftigte sich mit der Musikfolklore verschiedener Völker des östlichen Mittelmeerraumes, in seinen Werken benutzte er Elemente arabischer, türkischer, armenischer und jüdischer Musik. Hemsi bemühte sich um eine Synthese traditioneller orientalischer Musik mit westlicher Kunstmusik. Er hatte Ende der 1920er Jahre in Alexandria den Musikverlag „Edition orientale de musique“ gegründet, in dem neben seinen eigenen Werken auch Kompositionen anderer in Ägypten lebender Autoren, darunter Jenö Takacs, erschienen.

Sein Lebenswerk ist die Sammlung aus 10 Heften „Coplas sefardies“ (1932–1973) mit 60 Kompositionen für Gesang und Klavier auf der Grundlage sephardischer Lieder, die Hemsi auf seinen ethnologischen Expeditionen in der Türkei (in Anatolien, Smyrna und Istanbul), auf der Insel Rhodos und in Saloniki gesammelt hatte. Diese 60 Stücke sind zwischen 1932 und 1973 in 10 Heften á 6 Stück erschienen. Er publizierte außerdem eine theoretische Abhandlung über „La Musique de la Torah“ (Alexandria 1929). In Deutschland ist dieser Komponist noch völlig unbekannt. Er war der erste, der sich künstlerisch mit der Musik sephardischer Juden beschäftigte.

Aufgeführt werden die in zwei Heften gesammelten Werke Hemsis mit insgesamt 12 Liedern aus dem Zyklus „Coplas Sephardies“. Das ist eine Erstaufführung, zumindest in Deutschland. Außerdem werden einige Werke von Komponisten der Neuen Jüdischen Schule erklingen, darunter Moshe Milner, Joseph Achron und Joel Engel, die auf Elementen jiddischer Folklore basieren. Schließlich wird Maurice Ravels Bearbeitung einer sephardischen Kaddisch-Melodie aufgeführt.

Tehila Nini Goldsteins musikalische Interessen reichen vom frühen Barock über Volksmusik bis hin zum zeitgenössischen Repertoire, sie wechselt gekonnt zwischen Oper, Lied und Kammermusik. Goldstein begann ihre Gesangsausbildung an der Universität in Tel Aviv und setzte sie in New York und Berlin fort. Sie gewann zahlreiche Preise, so zum Beispiel Les Jardin Voix 2008.

In den letzten Jahren war sie als Almirena (Rinaldo) in Prag, Caen, Luxemburg und Wien zu sehen, als Eupaforice (Montezuma) bei den Musikfestspielen Potsdam, als Creusa/Giunone (La Didone) mit dem Ensemble „Les Arts Florissant“, als Nerone (L’Incoronazione di Poppea) bei den Innsbrucker Festwochen, als Sinforosa (La Casa Disabitata) bei den Dresdner Musikfestspielen und in vielen anderen Inszenierungen. Als Doppelbesetzung von Cecilia Bartoli war sie in der Hauptrolle der Semele am Theater Wien engagiert.

Gegenwärtig ist sie an der Oper Halle in einem Stück der Komponistin Sarah Nemtsov zu sehen.

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