Uwe von Seltmann stellt vor: Biografie Mordechai Gebirtig

Es brennt! Brüder, ach, es brennt!
Oh, unser armes Städtchen, wehe, brennt!
Feuerstürme jagen, gieren,
reißen, brechen und entfachen,
stärker noch die wilden Flammen,
schon alles ringsum brennt!

Und ihr steht und guckt und gafft nur
mit verschränkten Händ‘,
und ihr steht und guckt und gafft nur –
unser Städtchen brennt…

Heute, am 10. November vor 80 Jahren, rauchte es noch vom Feuer in den Thüringer Synagogen. Mordechai Gebirtig, der Tischler aus Krakau schrieb seinen Text „S’brent, undzer shtetl brent“ im selben Jahr 1938 nach dem Pogrom in der polnischen Kleinstadt Przytyk. Damit nahm er geradezu apokalyptisch die Vernichtung der Juden vorweg. Er selbst (*1877) wurde am 4. Juni 1942 von den Deutschen im Krakauer Ghetto erschossen.

Wenn die Geschichte anders verlaufen wäre und nicht Millionen Juden mitsamt ihrer Kultur vernichtet worden wären, so der italienische Künstler Rudi Assuntino, wäre der jiddische Dichter und Sänger Mordechai Gebirtig so populär wie die Gershwin-Brüder. Aber rund 170 seiner Gedichte und Lieder haben die Shoa überlebt. Heute wie damals sind sie ein bedeutendes Zeugnis jüdisch-europäischer Kultur und werden weltweit von namhaften Künstlern gesungen und interpretiert.  „S’brent“  war während der NS-Zeit die inoffizielle Hymne jüdischer Widerstandskämpfer, in Israel stimmt man es heute an jedem Holocaust-Gedenktag an.

Uwe von Seltmann: Es brennt. Mordechai Gebirtig, Vater des jiddischen Liedes, Homunculus Verlag 2018

„Es brennt“ lautet auch die erste deutschsprachige Biografie Mordechai Gebirtigs. Sie erscheint in diesen Tagen. Geschrieben hat sie Uwe von Seltmann. Das Buch ist eine Pionierarbeit sowie ein Buch gegen das Vergessen.

Viele Lieder Gebirtigs werden hierfür das erste Mal ins Deutsche übertragen. Aus Archiven in Europa, Israel und den USA hat der Autor zahlreiche neue Entdeckungen zu Leben und Werk des Krakauer Poeten zusammengetragen.

Uwe von Seltmann stellt sein Werk über den „Vater des jiddischen Liedes“ am Mittwoch, dem 14. November 2018, um 19 Uhr, in Weimar in der Eckermann Buchhandlung, Marktstraße 2, vor.

Uwe von Seltmann, geboren 1964 in Müsen, lebt seit 2007 als freier Publizist, Dokumentarfilmer und Rechercheur vor allem in Krakau. Er hat neun Bücher verfasst oder herausgegeben die sich vor allem mit den familiären, gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen der NS-Zeit auf die Gegenwart befassen.

Uwe von Seltmann

Uwe von Seltmann (Foto: Yura Drug)

Seine Lesung am 14. November in Weimar ist eine Kooperation der Eckermann Buchhandlung mit der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen im Rahmen der 26. Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur.

Bilder und Pressematerial hier.

„S’brent“ wurde von zahlreichen Künstlern interpretiert, so auch von Wolf Biermann. Hier die Fassung der norwegisch-jüdischen Sängerin Bente Kahan vom Album „Farewell Cracow“.

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