Archiv der Kategorie: Allgemein

Ilse Neumeister gestorben

Du tust mir kund den Pfad des Lebens.
Psalm 16,11

Wir nehmen Abschied von Ilse Neumeister, unserem Gründungsmitglied seit 1987. Sie verstarb am Gründonnerstag, 18. April 2019.

Die Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft war ihr ein unveräußerliches Anliegen unter unterschiedlichen politischen Bedingungen.

Ihre Überzeugungskraft und das Vertrauen, das sie sich bei Mitstreitern in Politik, Kirche, Gesellschaft und besonders bei jüdischen Partnern erworben hatte, ebnete neue Wege und verpflichtete zum Einspruch gegen jegliche Art der Judenfeindschaft. Dafür sind wir ihr sehr dankbar.

Das Gedenken an das zuverlässige Engagement der „Neumeisterin“, ihre häufig unkonventionelle Initiative und an ihre streitbare Konsequenz werden wir bewahren.

Für den Leitungskreis der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum
Carsten Liesenberg und Ricklef Münnich

Für die Jüdische Landesgemeinde Thüringen
Prof. Dr.-Ing. habil. Reinhard Schramm, Vorsitzender


DIE ZEUGEN

Ein Projekt im öffentlichen Raum

der ACHAVA Festspiele Thüringen mit der Stadt Weimar und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Weimar steht in der Moderne für Humanismus und Aufklärung ebenso wie für Ausgrenzung und Völkermord. Das Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg gehört zu dieser Stadt und soll uns Mahnung sein. Die Häftlinge des Konzentrationslagers wurden durch die Stadt getrieben – sie waren sichtbar.

Das Projekt im öffentlichen Raum soll diese Tatsache auch im Jahr des Bauhausjubiläums deutlich machen. Der Weg zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt ist von zahlreichen Wegmarken gesäumt. Im Norden der stark frequentierte Bahnhofsvorplatz, der Buchenwaldplatz hat direkten Bezug zum Konzentrationslager, das Neue Museum als Ort der Kunst und damaliger Sitz des Gauleiters Sauckel, das jetzige Landesverwaltungsamt war Teil des »Gauforums«, das im Nationalsozialismus zum Zentrum der Stadt werden sollte. Schließlich das neue Bauhaus-Museum …

Der Weimarer Fotograf Thomas Müller porträtierte über mehrere Jahre ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald aus verschiedenen Nationen. Sechzehn großformatige Fotoporträts machen diesen Teil der Geschichte sichtbar und laden die Weimarer und ihre Gäste zum Innehalten ein.

Einladung zur Eröffnung am 1. April 2019 | 17 Uhr |
August-Baudert-Platz | Bahnhofsvorplatz 99423 Weimar

Der Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, wird diese Ausstellung mit den Einladenden gemeinsam eröffnen.

Abschied von Wolfgang Nossen

MP Bodo Ramelow äußerte sich nach Bekanntwerden des Todes von Wolfgang Nossen auf Twitter.

Auf dem jüdischen Friedhof in Erfurt ist am Mittwoch, dem 20. Februar 2019, der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Wolfgang Nossen, beerdigt worden. Er war am vorangegangenen Schabbat 88-jährig verstorben. Rund 200 Menschen nahmen an der Trauerfeier teil. Neben seiner Familie und Mitgliedern der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen waren darunter auch Vertreter der Landesregierung, der Kommune, die Bischöfe in Thüringen sowie viele Freundinnen und Freunde aus Vereinen und Organisationen.

Gemeinsam mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Erfurt und dem Förderverein für jüdisch-israelische Kultur in Thüringen e.V. gab die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen ihrer Trauer in einer Anzeige in den Thüringer Tageszeitungen Ausdruck.

Traueranzeige am Samstag, 26. Februar 2019

Blanka Weber schrieb dem „Mahner und Ermunterer“ Wolfgang Nossen nicht nur einen einfühlsamen Nachruf in der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“, sondern nahm das traurige Ereignis auch zum Anlass, im Deutschlandfunk Kultur über den Stand jüdischen Lebens in Thüringen zu reflektieren: „Dem Antisemitismus die Stirn bieten“.

Das Leben Wolfgang Nossens kann man mit privaten Fotos aus Breslau, Erfurt und Israel noch einmal in einer Galerie des Mitteldeutschen Rundfunks vorüberziehen lassen.

Wolfgang Nossen und Elisabeth Erdmann

Wolfgang M. Nossen ז“ל

Wir trauern um Wolfgang M. Nossen

Viele Angriffe hat er abgewehrt, zahlreiche Kämpfe hat er bestanden. Nun hat er den Kampf gegen die Krankheit verloren. Wolfgang M. Nossen ist eine Woche nach seinem 88. Geburtstag am 16. Februar 2019 verstorben.

Über Jahrzehnte gehörte Wolfgang Nossen dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen an, war zuletzt ihr Ehrenvorsitzender.

Seine Beharrlichkeit, seine über viele schlimme Erfahrungen hindurch unbeugsam gewordene Widerstandskraft haben viele von uns ermutigt. Allen war er ein Vorbild. Wir haben mit ihm viel verloren. Wir trauern um Wolfgang M. Nossen.

Wer sich erinnern und Wolfgang Nossens Leben vorbeiziehen lassen möchte, dem seien seine Zeitzeugenberichte im „Gedächtnis der Nation“ empfohlen, dreizehn Videos im Zeitzeugenportal.


Einladung: Internationaler Holocaust-Gedenktag

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen lädt herzlich ein zur Gedenkveranstaltung anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages:

Kultur- und Bildungszentrum der Jüdischen Landesgemeinde
Juri-Gagarin-Ring 21, 99084 Erfurt,
am Sonntag, den 27. Januar 2019, 16.30 Uhr

Die Vereinten Nationen führten den Tag 2005 ein, um den Opfern des Holocaust sowie dem 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 zu gedenken. In Deutschland wird der 27. Januar seit 1996 als gesetzlich verankerter Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen.

Programmablauf:

  • Gebet des Landesrabbiners Alexander Nachama
  • Musikalischer Beitrag des Misrach-Quartetts unter Leitung von Lutz Balzer
  • Begrüßung durch den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Prof. Dr. Reinhard Schramm
  • Schülerprogramm der Friedrich-Schiller-Gemeinschaftsschule unter Leitung von Beate Wichmann
  • Holocaust: Erinnerung heute – Gedenkrede von Staatssekretär Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder
  • Musikalischer Beitrag des Misrach-Quartetts

In Europa, auch in Deutschland, ist die Mahnung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus gegenwärtig sehr bedeutsam.

Gedenken der Novemberpogrome vor 80 Jahren

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Erfurter Synagoge am Kartäuserring 14 angezündet, der Brand aber nicht gelöscht.

Schaulustige vor der Synagoge Erfurt nach dem 9. November 1938

Schaulustige vor der Synagoge Erfurt nach dem 9. November 1938. Original: Stadtarchiv Erfurt

Nach vorhandenen namentlichen Listen 193 wurden Erfurter jüdische Bürger festgenommen, von denen 189 anschließend ins Konzentrationslager Buchenwald verbracht wurden.

Deckblatt der Gestapo-Listen

Deckblatt der Gestapo-Listen. Kopie: Stadtarchiv Erfurt

Aus Anlass des 80. Jahrestages der Novemberpogrome von 1938 findet am Freitag, dem 9. November 2018, um 10.00 Uhr, auf dem Jüdischen Friedhof Erfurt (Werner-Seelenbinder-Str. 3) eine Gedenkstunde statt. Dazu lädt die Jüdische Landesgemeinde Thüringen ein: „Die Mahnung an die Opfer des Novemberpogroms verbinden wir mit einem Appell für Mitmenschlichkeit und Toleranz.“

Bereits am Mittwoch, 7. November 2018, 19 Uhr, öffnet die Jüdische Landesgemeinde Thüringen ihr Kultur- und Bildungszentrum am Juri-Gagarin-Ring 21 für eine gemeinsame Gedenkveranstaltung mit der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen. Deren Sprecher, Pfarrer i.R. Ricklef Münnich, geht von gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen aus und fragt, welche Bedeutung die verheerenden Pogrome vor 80 Jahren heute bekommen. Ausgangspunkt ist eine Feststellung, die der Philosoph Karl Jaspers 1949 getroffen hat: „Was die Geschichte überliefert, wird uns lebendig aus unserem eigenen Zeitalter“. Musikalisch wird das Gedenken begleitet von der Gruppe Misrach unter Leitung von Lutz Balzer. 

Die Veranstaltung, deren Eintritt frei ist, ist Teil der „Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus“ der Amadeu Antonio Stiftung, der größten Kampagne gegen Antisemitismus in Deutschland.

Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus“ der Amadeu Antonio Stiftung

Blickpunkt Jerusalem: „Hinauf nach Jerusalem. Die heilige Stadt im Neuen Testament“

Blickpunkt Jerusalem

Jerusalem ist wieder Thema. Nein, Jerusalem ist immer Thema!

Deshalb laden die Jüdische Landesgemeinde Thüringen und die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum zu einer Veranstaltungsreihe ein, die auch ein vertiefendes Gespräch ermöglichen sollen. Sie findet statt im Kultur- und Bildungszentrum der jüdischen Gemeinde, Juri-Gagarin-Ring 21 – gegenüber vom Hirschgarten gelegen.

Für den vierten und letzten Abend der Reihe am Mittwoch, dem 17. Oktober 2018, um 19 Uhr, kommt noch einmal die Bibel in den Blick:

„Hinauf nach Jerusalem.
Die heilige Stadt im Neuen Testament“

Pfarrer i.R. Ricklef Münnich: Die Bedeutung Jerusalems in der Bibel ist kaum zu überschätzen. In der jüdischen Bibel, unserem Alte Testament wird die Stadt 660mal erwähnt. Aber im Neuen Testament ist es nicht anders. Nur ein einziges Mal erzählen die Evangelien davon, dass Jesus weinte – im Angesicht Jerusalems. Beim Apostel Paulus erweist sich an der Jerusalemer Gemeinde die Wahrheit seines Evangeliums für die Völker. Und die christliche Bibel endet mit einem Blick auf ein neues Jerusalem, in dem Gott selbst seinen Thron zur Friedensherrschaft errichtet.

Abschied von Pfarrer i.R. Karl Metzner

Am 26. August 2018 ist Pfarrer i.R. Karl Metzner im 91. Lebensjahr verstorben. Der Trauergottesdienst fand am 1. September 2018 in der Erfurter Andreaskirche statt.

Karl Metzner war über viele Jahre (nicht nur) in unserer Arbeitsgemeinschaft aktiv und lebte seine Verbundenheit mit der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. Deren Vorsitzender, Prof. Dr.-Ing. habil. Reinhard Schramm schrieb zum Tode von Pfarrer Metzner:

Karl MetznerUnser Freund Pfarrer i.R. Karl Metzner ist am 26. August von uns gegangen!

„Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen trauert mit den Angehörigen von Karl Metzner und unseren christlichen Freunden. Auch wir haben einen guten und verlässlichen Freund verloren. Karl Metzner hat als junger Christ mutig und opferreich Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet, hat später seinen Glauben in der DDR Diskriminierung zum Trotz offensiv zur Wirkung verholfen und nach der Wende sich bis in seine letzten Tage für Mitmenschlichkeit und Toleranz, gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus eingesetzt. Wir verneigen uns in tiefer Dankbarkeit vor unserem teuren Freund. Gerade in der heutigen Zeit der Rückkehr zum Nationalismus in Europa wird uns Karl Metzner besonders fehlen. Möge sein Vorbild die Mitte unserer Gesellschaft wachrütteln.“

Peter Franz, ehemals Pfarrer im „Evangelischen Gemeindezentrum Thomas
Müntzer“ von Kapellendorf, Vorsitzender der Basisgruppe Weimar-Apolda in
der VVN-BdA, schreibt:

Karl Metzner 2„Karl Metzner war uns in der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) ein
guter und engagierter Freund. Seine Überzeugung, dass Völkerfreundschaft
und Völkerfrieden Werte sind, die aus Jesu Bergpredigt abzuleiten sind,
hat ihn an unsere Seite geführt. Am Kreuzweg für den Frieden, den die
CFK Thüringen mehrfach in der Natonalen Mahn- und Gedenkstätte
Buchenwald durchführte, war Karl immer mit dem Herzen dabei – ebenso bei
zahlreichen Wochenenden der Information und des Gesprächs um Frieden und
Völkerverständigung, die im „Evangelischen Gemeindezentrum Thomas
Müntzer“ von Kapellendorf in den 1980er Jahren stattfanden.

Genauso engagiert kennen wir Karl als Mitglied und Vorstandsmitglied in
der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten
(VVN-BdA) Thüringen. An einigen Exkursionen des Thüringer Verbandes zu
Gedenkstätten für Verfolgung und Widerstand gegen das Naziregime war er
aktiv und immer gesprächsbereit beteiligt.

Auch nach seinem Heimgang erfüllt uns mit Dankbarkeit, dass wir diesen
mitmenschlichen und gesprächsbereiten Antifaschisten in unserer
Gemeinschaft haben durften.“

Blickpunkt Jerusalem: „Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?“

Blickpunkt Jerusalem


Jerusalem ist wieder Thema. Nein, Jerusalem ist immer Thema!

Deshalb laden die Jüdische Landesgemeinde Thüringen und die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum zu einer Reihe von Veranstaltungen ein, die auch ein vertiefendes Gespräch ermöglichen sollen. Sie finden statt im Kultur- und Bildungszentrum der jüdischen Gemeinde, Juri-Gagarin-Ring 21 – das ist am Hirschgarten gelegen.

Für den dritten Abend der Reihe am Mittwoch, dem 29. August 2018, um 19 Uhr, kommt eigens Besuch aus Jerusalem!

Georg Rössler lebt seit 1988 mit seiner Familie in Jerusalem. Er ist Gründer und ehrenamtlicher Ko-Direktor von „SOS-Gewalt/Zentrum für Friedenspädagogik in Israel“. Außerdem ist er Reiseveranstalter und Ko-Direktor von „SK-Tours in Nature“ sowie Begründer der Projekte „Fair Travel in Israel & Palästina“ und „Jerusalem-Weg“. Also kann man sagen: Jerusalem kennt er „wie seine Westentasche“.

Aber Georg Rössler selbst drückt es mit einem anderen Bild aus, das er auf uns alle bezieht; er fragt:
„Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?“
Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?

Georg Rössler geht den Fragen nach:

  • Warum gibt es in Israel/Palästina mehr Journalisten pro Quadratmeter als sonstwo auf der Welt?
  • Warum schaut die Welt gebannt wie das Kaninchen auf die Schlange auf die Stadt Jerusalem?
  • Warum führt die Ausführung des Beschlusses, die Botschaft der USA nach Jerusalem zu verlegen, zu internationalem Aufruhr?
  • Wie konnte es dazu kommen, dass sich eine kleine kanaanäische Siedlung zur bekanntesten Stadt der Welt entwickelt hat – bis hin zu einem himmlischen Jerusalem?
  • Warum haben wir (fast) alle ‚Aktien‘ an Jerusalem?

Mit einem Streifzug durch Bibel- und Zeitgeschichte wird Georg Rössler versuchen, diese Fragen für uns zu erhellen…

„Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?“

Mittwoch, 29. August 2018, 19 Uhr
Kultur- und Bildungszentrum
der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen
Juri-Gagarin-Ring 21, 99084 Erfurt
(Eintritt frei)

Ein Einladungsplakat können Sie hier zum Download erhalten.

Einen weiteren Veranstaltungstermin in der Reihe Blickpunkt Jerusalem gibt es noch:

  • 17. Oktober 2018: Ricklef Münnich (Erfurt), „Hinauf nach Jerusalem. Die heilige Stadt im Neuen Testament“

Satt und träge. Der Israelsonntag in der Kirchenzeitung

Satt und träge. Der Israelsonntag in der Kirchenzeitung der EKM

„GLAUBE+HEIMAT“, der mitteldeutschen Kirchenzeitung, blieb glücklicherweise erspart, sich wie das Berliner Schwesterblatt, „die Kirche“, mit einem den Israelsonntag konterkarierenden Vorgang auf den eigenen Seiten auseinandersetzen zu müssen. Doch die deswegen dort noch ein wenig pointierter als sonst gesetzten Zeilen von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies zum Anlass gelten nichtsdestoweniger ebenfalls für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland.

Markschies bringt Weihnachten, Passionszeit und Ostern auf eine Höhe mit dem Israelsonntag, indem er feststellt, die bekannteren Feierzeiten der Christen bedenken, „was Jesus Christus für unseren Glauben bedeutet“, während wir am Israelsonntag feiern und bedenken, „was das Judentum für den christlichen Glauben bedeutet“. Bei allen Anlässen gehe es um „die Grundlagen unseres Glaubens“ und „das Bekenntnis unserer Kirche“.

Ist dem so, fällt die Reflexion über die Botschaft des Israelsonntags im Kirchenblatt in der EKM doch sehr deutlich gegenüber den kirchenjahreszeitlichen Weihnachtsseiten, den Passions-Reihen oder den österlich gestimmten Texten ab. Abgesehen von einem zusammenfassenden Rückblick auf einen Vortrag unserer Arbeitsgemeinschaft im Kultur- und Bildungszentrum der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen nehmen – wie auch sonst – das „Wort zur Woche“ und die Gedanken zum „Predigttext“ das „Proprium“, also die Besonderheit des Sonntags auf – oder eben nicht, jedenfalls nicht in anderer Weise als jeden Sonntag.

Aber bei den Anstößen, die der Israelsonntag zu geben vermag, geht es natürlich nicht um Quantität. Daher werfen wir den Blick in die beiden genannten Beiträge.

Rhetorisch nicht ungeschickt wiederholt Pfarrer Stefan Körner auf drei von vier Absätzen: „Ich habe es so satt!“. Satt hat er zu hören, wie Juden verachtet und verprügelt werden, wie der Zeigefinger auf andere von einem Antisemitismus in den eigenen Reihen ablenken soll, wie gut die Hälfte der Deutschen „unter die Shoah einen ‚Schlussstrich‘ ziehen will“ oder „gut 20 Prozent antisemitischen Verschwörungstheorien anhängen“. Satt hat er, wie „rechte Extremisten“ sich „als neue Juden stilisieren, die verfolgt und ausgegrenzt würden“, satt also hat er, wie sich „immer und immer wieder“ Lüge als Wahrheit verkleidet.

Über Juden und über Israel erfährt der Leser in drei Vierteln des Beitrages nur Negatives oder in Abwehr negativer Äußerungen und Gedanken. Zum Schluss muss dann natürlich nach der „Lüge“ die „Wahrheit“ in den Blick kommen. Leider ist es dann lediglich „Gottes Wahrheit“, von der zu lesen ist, nämlich „dass Gott ein besonderes Augenmerk auf sein Volk hat, das er sich erwählte“. 

Spannend wäre doch nun gewesen zu erfahren, was diese Wahrheit für die Kirche und die Christinnen und Christen bedeuten würde. Von der Tat, die aus der Wahrheit, dem Evangelium, folgt, wäre doch jetzt zu schreiben! Stattdessen nur: „Ich habe es nicht satt zu glauben“, nämlich, „dass Gottes Verheißung und Versprechung zuverlässig sind“. Beim Glauben soll es dann dem Autor zufolge auch bleiben, nämlich „so lange, bis all das ein Ende hat“! 

Mit Paul Gerhardt kann man da nur ausrufen und singen: „Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not“, insbesondere der theologischen – wusste der Liederdichter doch zu seiner Zeit immerhin, dass die Bitte hinzugehört „stärk unsre Füß und Hände“ – denn nur dann, nämlich so „gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein“. (EG 361)

Nun gut, Prediger*innen am Israelsonntag holen sich vielleicht auch eher Anregung bei den Gedanken zum Predigttext. Pfarrer Michael Greßler ist zu danken, dass er genau die Defizite seines Amtsbruders einholt. Denn mit Gottes „Verheißungen ist das so eine Sache. Sie sollen erfüllt sein. Das geht aber nur mit den Menschen.“ Von hier wäre es jetzt nur noch ein (Gedanken-)Schritt, um zu überlegen, dass und vor allem, wie die Kirche mitverantwortlich ist und mittuend sein soll an der Verwirklichung biblischer Zusagen an das Gottesvolk Israel. 

Doch erneut Fehlanzeige. Der Ausleger bleibt zunächst im 6. Jahrhundert vor Christus, der Zeit des Jesaja-Predigttextes. „Viel ist geschehen seitdem. (…) Auch durch unser deutsches Volk. Viel Schuld.“ 

Aber: „Geändert hat sich nichts“. Das wird wieder bis zum Ende auch so bleiben, wenn die ausschließliche Folgerung ist: „Betet! Erinnert Gott an sein Heil!“ 

Damit soll ausdrücklich nichts gegen die Kraft des Gebets gesagt sein.Jedoch wird die Kraft des prophetischen Wortes damit nicht annähernd ausgeschöpft. „Bereitet dem Volk (dem Volk Israel) den Weg!“ ist am Israelsonntag Jesajas Botschaft an die Christengemeinde. Und: „Richtet ein Zeichen auf für die Völker!“ Die christliche Siedlung Nes Ammim in Israel hatte zu Beginn der 1960er Jahre diesen Aufruf Jesajas als ihren Namen gewählt, um ein Zeichen der Solidarität mit dem jüdischen Volk als Beginn einer neuen Beziehung zwischen Christen und Juden zu setzen. 

Wo bleibt ein solches Zeichen heute? Der Israelsonntag 2018 lässt die Frage offen, stellt sie nicht einmal.

Ricklef Münnich