Archiv der Kategorie: Veranstaltungen

Der gelbe Stern. Die Erfurter Familien Cars und Cohn

der_gelbe_sternAm Montag, dem 9. November 2015, eröffnet um 19 Uhr in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge, An der Stadtmünze 5 in Erfurt, die Ausstellung „Der Gelbe Stern. Die Erfurter Familien Cars und Cohn“. Sie ist Else, Max, Ruth und Hanne-Lore Cars sowie Martha, Max, Helmut, Rosemarie und Alfred Cohn gewidmet.

Diese Namen stehen exemplarisch für Millionen Schicksale in Europa. Trotz ähnlicher Voraussetzungen erlebten die Cars und die Cohns die Zeit des Nationalsozialismus unterschiedlich. Die Exposition in der Kleinen Synagoge stellt die Protagonisten vor und beleuchtet, anhand von Dokumenten, Fotografien und Erlebnisberichten, die beiden jüdischen Familiengeschichten.

Die Erfurter Familien Cars und Cohn ähnelten sich in ihrer Konstellation. Die Familienväter, Max Cars und Max Cohn, waren Juden und mit einer Nichtjüdin verheiratet. Die veränderte das Leben beider Familien dramatisch. Alle Familienmitglieder mussten die antijüdisch-rassistischen Schikanen erdulden, die nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 zur Staatsdoktrin wurden. Dennoch waren sie eine gewisse Zeit durch die nichtjüdische Ehefrau bzw. Mutter vor dem Schlimmsten geschützt. Gleichwohl: In beiden Familien waren es die Väter und die Kinder, die seit September 1941 den „Judenstern“ tragen mussten.

Die Ausstellung thematisiert ihre Schicksale. Außerdem lädt die Begegnungsstätte Kleine Synagoge zu einem umfangreichen Begleitprogramm ein. Dieses Programm können Sie zusammen mit einem Ausstellungsfaltblatt hier laden: Flyer_Familien Cars und Cohn.

Zur Ausstellung erscheint ferner die Publikation „‚… und sie trägt wieder keinen Stern.‘ Die Erfurter Familien Cars und Cohn“.

Ausstellung „Martin Luther und die Juden“ in Erfurter Michaeliskirche

„Ertragen können wir sie nicht“

Ausstellung zu „Martin Luther und die Juden“
in der Erfurter Michaeliskirche
vom 16.10. – 10.11.2015

ertragen_können_wir_sie_nichtIm Jahr 2017 begehen die evangelischen Kirchen weltweit das 500. Jubiläum der Reformation. Viele Worte Martin Luthers sind bleibend aktuell. Zum Umgang mit den „Anderen“ forderte der Reformator: „Nicht mit Gewalt, sondern mit dem Wort“ solle ein Christ geistliche, theologische, religiöse Auseinandersetzungen führen. Was für eine wichtige Erinnerung!

Umso erschreckender ist es, zu erfahren, wie sich der Reformator selbst gegenüber Juden verhalten und artikuliert hat. So lesen sich seine sieben „Empfehlungen“ zum Umgang mit ihnen, die er in seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ abgibt, wie eine Anstiftung zum Pogrom. Zum Ende seines Lebens fordert Luther geradezu zur Gewaltanwendung auf und benutzt eine derart unflätige Sprache, dass selbst Zeitgenossen entsetzt sind ob solcher „schmutzigen Ausfälle“ gegen das Judentum.

Die Ausstellung „Ertragen können wir sie nicht – Martin Luther und die Juden“ will daher zu einer notwendigen Auseinandersetzung mit Luthers Judenfeindschaft anregen.

Sie wurde erarbeitet vom Referat für Christlich-Jüdischen Dialog der Nordkirche und ist vom 16. Oktober bis zum 10. November in der Erfurter Michaeliskirche zu sehen – Montag bis Samstag von 11 bis 16 Uhr – Eintritt frei!

Zur Ausstellung ist ein 56-seitiges Begleitheft erschienen und zu erwerben.

Nebenstehendes Plakat zum Download hier.Plakat Web Ausstellung Martin Luther und die Juden

Geistliche Gerichtsbarkeit und Juden

Geistliche Gerichtsbarkeit und Juden:
Der Prozess des Klosters Paulinzella gegen vier Juden aus Querfurt (1311–1316)

So lautet der nächste Vortrag in der Reihe „Arain!“ der Stadtverwaltung Erfurt, Unesco-Beauftragte, in Kooperation mit der Stadt- und Regionalbibliothek.

Am 7. Oktober um 19:30 Uhr ist Dr. Jörg Müller vom Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden der Universität Trier in der Stadt- und Regionalbibliothek am Domplatz 1 zu Gast.

a8450a7e780aa7677b3bf730abeb99f5Auf Bitten des Abts des thüringischen Benediktinerklosters Paulinzella wurde im Jahre 1311 durch Papst Clemens V. eine Untersuchung der Anschuldigungen gegen vier jüdische Brüder aus Querfurt veranlasst, bei denen sich der Verwalter des umfangreichen klösterlichen Besitzes verschuldet hatte.

Ein Konvolut von etwa zwanzig erhaltenen Schriftstücken aus Paulinzella gewährt einzigartige Einblicke in das langwierige Gerichtsverfahren und damit in die Praxis der seit dem Ende des 13. Jahrhunderts nachgewiesenen Prozesse gegen jüdische „Wucherer“ vor geistlichen Gerichten.

Dr. Jörg Müller ist seit 2007 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in dem Projekt „Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich“. Moderiert wird der Abend von Prof. Karl Heinemeyer, ehem. Universität Erfurt.

Der Eintritt ist frei.

fittosize_85_700_350_c3910fb180ac1766a226e761bcb648de_titel_arainIn der Reihe „Arain!“ werden in monatlichen Abständen Themen vorgestellt, die einen Bezug zur jüdischen Geschichte der Stadt Erfurt haben bzw. diese in einen größeren wissenschaftlichen Kontext stellen. Zusätzlich werden Schlaglichter auf das globale Welterbeprogramm der UNESCO geworfen.

„Das Wort sie sollen lassen stahn…“ Rabbiner Dr. Tovia Ben-Chorin in der Georgenkirche Eisenach

Erstmals predigt Rabbiner Dr. Tovia Ben-Chorin in der Georgenkirche Eisenach. Damit beginnt die Predigtreihe „Das Wort sie sollen lassen stahn…“ Martin Luther

Zu einem Gottesdienst in die Georgenkirche lädt die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Eisenach am Sonntag, den 11. Oktober um 10 Uhr ein.

IMG_7457Rabbiner Dr. h.c. Tovia Ben-Chorin predigt über ein Wort des Tobitbuches aus jüdischer Perspektive. Es gehört zu den 12 Sprüchen des Alten Testamentes und der alttestamentlichen Apokryphen, die 1940 durch Verse des Neuen Testaments an der Emporen der Georgenkirche ersetzt wurden.

Vermutlich wollte man damit zeigen, dass der christliche Glaube losgelöst von seinen jüdischen Wurzeln leben kann. Das ist ein Irrtum, denn er gründet sich auf die Tora und ihre Apokryphen. Das sind die Heiligen Schriften, mit denen auch der Jude Jesus von Nazareth vertraut war. Deswegen gehören sie untrennbar mit dem Neuen Testament zum Wahrheitsraum, aus dem christliche Identität lebt und sich bildet.

„Das Wort sie sollen lassen stahn…“ Mit der Predigtreihe im Oktober werden vier der ersetzen Sprüche im Gottesdienst ausgelegt. Jüdische und ökumenische Stimmen sind eingeladen, über sie zu predigen. Damit möchte die Evang.-Luth. Kirchengemeinde in Eisenach zum Ausdruck bringen, dass sie von allen Büchern der Bibel lebt und sie zur reichen und lebendigen Tradition der Kirche gehören. Pfarrer Johannes Sparsbrod führt liturgisch durch den Gottesdienst.

Dr. Tovia Ben-Chorin hat seine Beteiligung an der Predigtreihe sofort zugesagt. „Ich fühle mich persönlich mit Eisenach tief verbunden, besonders weil Avital Ben-Chorin, die zweite Frau meines Vaters, Schalom Ben-Chorin, gebürtige Eisenacherin ist und seit 2012 Ehrenbürgerin der Stadt. Als Förderer des „House of One“ in Berlin liegt mir das Gespräch zwischen Juden, Christen und Muslimen sehr am Herzen“, betonte er.

Ben-Chorin wurde 1936 in Jerusalem geboren und studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem Bibelstudien und Jüdischer Geschichte. Nach einer Ausbildung am Hebrew Union College, Cincinnati, wurde er 1964 zum Rabbiner ordiniert. Anschließend absolvierte er ein Zusatzstudium der Halacha. Dr. Ben-Chorin wirkte als Rabbiner in Ramat-Gan (Israel), Manchester, (England), in der Har El Gemeinde in Jerusalem, sowie in der Jüdischen Liberalen Gemeinde Or Chadash in Zürich. Von 2009-2014 war er Rabbiner in Berlin. Derzeit lebt er in der Schweiz und arbeitet in gleicher Position in der jüdischen Gemeinde von St. Gallen.

Seit vielen Jahren engagiert sich Tovia Ben-Chorin im jüdischen-christlichen-muslimischen Trialog. 1989 erhielt er die Ehrendoktorwürde vom Hebrew Union College, Cincinnati. Seit 1999 der ist er Direktoriumsmitglied des Abraham Geiger Kollegs. Er ist verheiratet mit Adina Ben- Chorin und hat mir ihr zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Ein Sohn führt die Familientradition als Rabbiner in Israel fort.

Am Samstag, den 10. Oktober um 19.30 Uhr findet in der Annenkirche in Eisenach ein Gemeindeabend mit Rabbiner Dr. Tovia Ben-Chorin statt.

Die Predigtreihe in der Georgenkirche wird fortgesetzt am 18.10.15 mit Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur in Wittenberg.

Zum Download finden Sie hier das komplette Programm der vier Predigten in der Eisenacher Georgenkirche. Die Reihe endet am Reformationstag mit einer Predigt von Dr. Johannes Wachowski.

Jüdisch-israelische Kulturtage werden in Gera eröffnet

Programmheft.2015.kleinDie Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur erstrecken sich 2015 vom 24. Oktober bis zum 21. November. Vier Wochen sind erforderlich, um ein reiches und reichhaltiges Programm zeigen zu können.

Eröffnet werden die 23. jüdisch-israelischen Kulturtage am Samstag, dem 24. Oktober, um 19 Uhr, im Festsaal des Rathauses Gera. Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn: Die Kulturtage „sind uns Anlass, der jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Regimes zu gedenken – und uns zugleich unserer Verantwortung und Verpflichtung in der Gegenwart und für die Zukunft bewusstzumachen.“ Neben ihr sprechen Grußworte der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow und der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman.

Das Eröffnungskonzert gestalten „Die Drei Kantoren“ Ido Ben-Gal (Tenor), Amnon Seelig (Bariton) und Assaf Levitin (Bass) unter dem Motto „Für mich ist jeder Tag ein Feiertag“.

Der Eintritt ist frei, aber wegen der beschränkten Platzkapazität wird um Voranmeldung unter kultur@gera.de, Tel. 0365/ 838 3601 oder mail@synagogenverein-erfurt.de, Tel. 0361/ 76 48 590, gebeten.

Veranstalter ist der Förderverein Alte und Kleine Synagoge Erfurt e.V. in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Gera.

Das vollständige Programmheft mit allen Veranstaltungen steht hier zum Download bereit.

Kolloquium zum „Guten Konrad“ von Weißensee

Der Fall Conrad Bächerer

1303_2„Unter der Regierung des Landgrafen Friedrich I. ereignete sich im Jahre 1303 zu Weißensee ein merkwürdiger Fall. Es wurde nämlich eines Tages in aller Frühe in einer Hütte der Weinhöfe bei Weißensee ein Knabe und Schüler namens Conrad Bächerer, dessen Vater wahrscheinlich früher in Sömmerda ansässig gewesen war und daher Berld von Somerde, Ritter und Burgmann zu Weißensee genannt wird, aufgehängt gefunden.

Man bürdete nach der Sitte der damaligen Zeiten die Ermordung dieses Knaben sofort den Juden auf, welche der Sage nach vor jedem Osterfeste einen Christen zur Wiederholung der Kreuzigung Jesu töteten, und fand darin einen willkommenen Vorwand zu einer allgemeinen Judenverfolgung, nicht allein in der Stadt Weißensee und Umgegend, sondern in ganz Thüringen, wobei viele Juden erschlagen wurden und nur wenige mit ihrer Habe sich retten konnten.“ (F.B. von Hagke, Urkundliche Nachrichten, 1867)

Die Eintragung im Nürnberger Memorbuch unter dem 7. Nissan 5063 (= 25. März 1303) als Datum der Vernichtung der jüdischen Gemeinde von Weissensee nennt 123 Opfer des Pogroms, die im Verlauf eines furchtbaren Massakers auf der Runneburg umgebracht wurden. Eine andere Quelle nennt 144 getötete Weissenseer Jüdinnen und Juden. Von den Nachbargemeinden, die gleichfalls von der Verfolgung heimgesucht wurden, nennt das Gedenkbuch die Gemeinde Gotha mit 8 Opfern, ferner Kölleda und Bad Tennstedt.

Die Heiligenlegende

„Da man nun den Schüler begraben wollen, und ihn in S. Peters Kirche getragen, soll in Beysein hochgedachten Landgraf Friedrichs ein Wunderzeichen dabey geschehen seyn, daß, ein Lahmer alsobald gesund und gerade worden.“ (Andreas Toppius, 1646)

Weitere Wunderzeichen wie eine Unverweslichkeit des Leichnams führten dazu, dass am 1. April 1303 der Tote in der Weißenseer Stadtkirche ehrenvoll begraben wurde, nachdem zuvor die rechte Hand als Reliquie abgetrennt worden war. In der Folgezeit sollen sich weitere Heilungswunder ereignet haben.

Die Auffindung der Gebeine

Gebeine Conrad WeissenseeAm 3. Dezember 2013 wurden im Zuge der Sanierung der Stadtkirche die Gebeine von Conrad freigelegt. Schädel und Knochen des jungen Mannes waren in ein braunes Tuch eingeschlagen und in ein Weihwasserbecken aus Sandstein gelegt worden. Kirchenhistoriker Dr. Hartmut Kühne: „In Deutschland kenne ich keine vergleichbare Situation, wo man ein spätmittelalterliches Heiligengrab noch vor Ort untersuchen kann.“

Das Kolloquium

Landesbischöfin Ilse Junkermann: „Der Tod des ‚Guten Konrad‘ von Weißensee, das sich anschließende Pogrom, bei dem die jüdische Bevölkerung Weißensees und benachbarter Orte hingerichtet wurde, die hohe kultische Verehrung des ‚Guten Konrad‘, die Bezugnahme und Eingriffe in der Reformation und v.a. das Gedenken an alle Opfer aus dem Jahr 1303 verlangen eine intensive historisch-theologische Auseinandersetzung und Aufarbeitung.“

„Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und der Freistaat Thüringen vertreten durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie wollen die Annäherung an diesen komplexen Themenkreis mit einem wissenschaftlichen Kolloquium befördern.
Im Namen beider Veranstalter lade ich Sie herzlich zu einem Kolloquium am 13. November 2015 auf die Runneburg in Weißensee ein!“

Wissenschaftliches Kolloquium zum „Guten Konrad“ von Weißensee (Thüringen)
am Freitag, dem 13. November 2015, von 9.30 – 17 Uhr

Ort: Runneburg, 99631 Weißensee, Burgstraße 8, Festsaal (ehemaliges preußisches Landratsamt)

Das Programm (PDF, 125 kB)
Anmeldung Kolloqium Weißensee Guter Konrad (PDF, 103 kB)

Lange Nacht der Synagoge

Je kürzer die Nächte von der Jahreszeit her sind, desto lebendiger werden sie in der Landeshauptstadt Erfurt. Nach der Langen Nacht der Museen am 12. Juni 2015 beginnt schon am Abend darauf, am Samstag, dem 13. Juni, die „Nacht der Kirchen und der Synagoge“.

Erfurt_Neue_SynagogeDie Jüdische Landesgemeinde Thüringen hat in der Synagoge am Max-Cars-Platz 1 (früher: Juri-Gagarin-Ring 16) diesmal zum Ausgang des Sabbat, des Ruhetages im Judentum, ein besonders umfangreiches Programm vorbereitet, zu dem sie alle Erfurterinnen und Erfurter mit ihren Gästen herzlich einlädt.

„Synagogen in Deutschland und Osteuropa“ lautet der Titel einer Ausstellung mit Werken des Malers Michael Balan, die um 20 Uhr  eröffnet wird.

Reinhard Schramm , Vorsitzender der Juedischen Landesgemeinde Thueringen , aufgenommen am 11.02.2013 in der neuen Synagoge in Erfurt (Th?ringen)  Foto: Michael Reichel (ari)

Wie sieht es in einer Synagoge aus? Wo befindet sich der Schrein für die Tora, und warum sollen die Frauen auf der Frauenempore Platz nehmen? Diese und sicher noch mehr Fragen beantwortet Professor Dr. Reinhard Schramm, der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, bei seiner Synagogenführung um 20.30 Uhr.

rabbiner_andrew_steimanRabbiner Andrew Aryeh Steiman aus Frankfurt erläutert um 21 Uhr in einem Vortrag die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zwischen Kirchen und Synagogen. Anschließend spricht er „Havdala“, das ist die Zeremonie zur Verabschiedung des Sabbats am Beginn der neuen Woche.

Zum Abschluss spielt gegen 22.45 Uhr „The String Company“ aus Erfurt in einem Konzert Klezmer, Swing & Jazz, Celtic Folk und Gipsy Swing.

Tora-Lerntag „Pessach-Haggada und Oster-Evangelium“

Der Beirat für den christlich-jüdischen Dialog
in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland
lädt ein zum

2. christlich-jüdischen Studientag
am Mittwoch, dem 11. März 2015, von 9.30 Uhr bis 15 Uhr,
nach Halle/Saale in das Felicitas-von-Selmenitz-Haus, Puschkinstraße 27

TORA-LERNTAG
PESSACH-HAGGADA UND OSTER-EVANGELIUM

Jedes Jahr wird an Pessach im jüdischen Volk die Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens gefeiert. Die Kirche feiert zu Ostern darauf gründend die Überwindung des Todes in Jesus Christus.

Zwei Erlösungsgeschichten, welche die Bedeutung des Erzählens und Verkündigens verbindet. In beiden wird das Erlösungsgeschehen bei den feiernden Menschen gegenwärtig. Was ist für heutiges Predigen und Erzählen daraus zu lernen? Was bedeutet es für christliche Verkündigung, wenn das von Juden trennende Osterereignis in der Art seiner Vergegenwärtigung zugleich größte Nähe zu ihnen darstellt?

Der Beirat für christlich-jüdischen Dialog der EKM freut sich, dass er für die Annäherung an solche Fragestellungen mit Rabbiner Jonah Sievers, Braunschweig, und Prof. Dr. Peter von der Osten-Sacken, Berlin, zwei kompetente Gesprächspartner gewinnen konnte. Im Anschluss ist Gelegenheit, in zwei Workshops das Gehörte auf die eigene Praxis der Karwoche und Osterfeiertage anzuwenden.

ABLAUF
9.30 Uhr       Ankommen mit Stehkaffee
10.00 Uhr    Begrüßung
10.15 Uhr    Vortrag: „Die Pessach-Haggada“,
Rabbiner Jonah Sievers, Braunschweig
11.00 Uhr    Vortrag: „Passahfest und Osterfeier“,
Prof. Dr. Peter von der Osten-Sacken, Berlin
11.45 Uhr    Gegenseitige Reaktion und Aussprache
12.15 Uhr    Mittagsgebet
12.30 Uhr    Mittagessen
13.15 Uhr    Workshops:
„Die liturgische Gestaltung der Ostergottesdienste“
mit Dr. Irene Mildenberger, Erfurt
„(Vor-)Geschmack von Freiheit. Die Pessach-Haggada lesen“
mit Ricklef Münnich, Erfurt
15.00 Uhr    Ende mit Reisesegen

REFERENTEN

Jonah_SieversRabbiner Jonah Sievers (geb. 1971), Gemeinderabbiner in Braunschweig, Landesrabbiner von Niedersachsen, Mitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK)
Veröffentlichungen zum Thema:
•  A. Nachama, J.Sievers (Hrsg.): Jüdisches Gebetbuch – Pessach/Schawuot/Sukkot. Gütersloher Verl.-Haus, Gütersloh 2011
•  A. Boeckler, J. Sievers: Die Pessach Haggada. Hentrich & Hentrich, Berlin 2013

osten-sacken

Prof. Dr. Peter von der Osten-Sacken (geb. 1940), emeritierter Professor für Neues Testament; von 1974 bis 2007 Leiter des Instituts Kirche und Judentum in Berlin Veröffentlichung zum Thema:
•  P. von der Osten-Sacken, Ch. Z. Rozwaski (Hrsg.): Die Wolloch-Haggada: Passa-Haggada zum Gedenken an den Holocaust, Leipzig, EVA 2012

 

Vor Ort erbitten wir 10 € Unkostenbeitrag für die Verpflegung.
Zur besseren Planung und Vorbereitung melden Sie sich bitte mit dem folgenden Anmeldeblatt oder formlos per E-Mail an.

Anmeldung zum Tora-Lerntag

4. Lange Nacht des Klezmer

"Im Gehen entsteht der Weg"

Woche der Brüderlichkeit 2015

„Im Gehen entsteht der Weg“. So lautet das Motto der diesjährigen „Woche der Brüderlichkeit“ der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die am 8. März 2015 in Ludwigshafen zentral eröffnet wird. Seit 30 Jahren besteht die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen; heute ist sie Mitglied im Dachverband der Gesellschaften, dem Deutschen Koordinierungsrat. In diesen drei Jahrzehnten ist ein Weg des Dialogs zwischen Christen und Juden, ein Weg der Begegnung zwischen den christlichen Kirchen und der Jüdische Landesgemeinde Thüringen entstanden. Vertrauen ist gewachsen und beschützt den Weg.

Bereits zum vierten Mal beteiligt sich die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum mit der „Langen Nacht des Klezmer“ an der Woche der Brüderlichkeit. Das Konzept: Regionale Musikgruppen, die sich mit Klezmer beschäftigen, treten auf und dazu kommen einige Gäste von außerhalb – in diesem Jahr zum Beispiel Andrea Pancur aus München und Szilvia Csaranko aus Hannover mit „Alpenklezmer“. Alle Gruppen treten ehrenamtlich auf; das Ganze finanziert sich ausschließlich über Eintrittsgelder.

Auch die 4. Lange Nacht des Klezmer bleibt ein Wagnis, aber nur wer die ausgetretenen Wege verlässt, trifft auf Neues und Unbekanntes. Der Weg, den wir bahnen wollen: Im Angesicht der Shoah mit der Musik des Klezmer, die nicht vernichtet werden konnte, sondern in vielerlei Formen auferstanden ist und weiterlebt, uns zur Vielfalt und Toleranz zu bekennen und jeder Form von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz eine Absage zu erteilen.

Signet 4. Lange Nacht des KlezmerDie 4. Lange Nacht des Klezmer ist eine „Reise durch die Welt der jüdischen Musik“. Sie beginnt am Sonnabend, dem 7. März 2015, um 19.30 Uhr, in der Reglerkirche Erfurt (Bahnhofstraße 7).

Mit dabei: „The String Company“, „Misrach-Projekt“, „Jews News“, RUTH Preisträgerin Andrea Pancur und „Alpenklezmer“, Duo Ehrle/von Loh, „Yosl Ber“, „Rumeynishe Fantasien“, Johannes Häußler, Ricklef Münnich und weitere Gästen aus nah und fern…

Veranstalter: Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen und The String Company Erfurt mit freundlicher Unterstützung des Yiddish Summer Weimar (www.yiddishsummer.eu)

Tickets zu 12 und 8 € gibt es in der Touristinformation Erfurt und ab 18.30 Uhr an der Abendkasse.

Weitere Informationen:
lange-naechte.erfurt.de
kirche-und-judentum.de
jpg-online.de

Flyer zum Download hier!

„Besa – ein Versprechen.“ Gedenken an die Opfer des Holocaust

Am Sonntag, dem 25. Januar 2015, um 17 Uhr, wird im Haus der Versöhnung des Erfurter Augustinerklosters in einem ökumenischen Gottesdienst der Opfer des Holocaust gedacht. Das jüdische Gebet El male rachamim (Gott voller Erbarmen), das der „Seelen der Sechs-Millionen Juden, Opfer der Shoah in Europa, ermordet, geschlachtet, verbrannt, umgekommen in Heiligung Deines Namens“ gedenkt, wird dabei von einem Mitglied der Jüdische Landesgemeinde Thüringen gesprochen. Musikalische Beiträge kommen von Schülerinnen und Schülern der Edith-Stein-Schule, dem Geiger Johannes Paul Gräßer sowie Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth.

Unter der Überschrift „Besa – ein Versprechen“ nimmt der GottesdienstPlakat Gedenkgottesdienst 25.Januar 2015 Bezug darauf, dass zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Albanien mehr Juden lebten als zuvor. Es war das Prinzip „Besa“, das dazu führte, dass sich die albanische Bevölkerung in einem außergewöhnlichen Akt weigerte, die Anweisungen der Besatzer zu befolgen und ihnen Listen mit den Namen der Juden auszuhändigen, die unter ihnen lebten. Pfarrer Ricklef Münnich von der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum: „Wer nach dem Prinzip Besa handelt, hält sein Wort; ihm kann man sein eigenes Leben und das seiner Familie anvertrauen. Wenn wir in Deutschland heute den Flüchtlingen, die in Gefährdung ihres Lebens zu uns kommen, solch ein Versprechen gäben – wir hätten etwas aus der Vergangenheit gelernt!“
Zum gottesdienstlichen Gedenken laden der Evangelische Kirchenkreis, das katholische Dekanat und die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen ein.

2005 haben die Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. In Deutschland wird er seit 1996 als bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Das Datum bezieht sich auf den Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee im Jahr 1945, der sich 2015 zum 70. Mal jährt.