Extremisten brennen Kirche in Bethlehem nieder

Mar Charbal-KircheDie maronitische Mar Charbal-Kirche im Wadi Maali Viertel in Bethlehem ist durch ein Feuer teilweise niedergebrannt. Das Feuer sei im zweiten Stock des Klosters ausgebrochen, habe aber Schaden an anderen Teilen des Gebäudes angerichtet. Das berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan in einer kurzen lakonischen Meldung. Verletzte habe es nicht gegeben. Die palästinensische Polizei, die Stromgesellschaft und die Abteilung für Zivilverteidigung hätten eine Untersuchung des Brandes eingeleitet.

Während Präsident Mahmoud Abbas und die palästinensische Regierung eisern schweigen, behauptete der griechisch-orthodoxe Priester Gabriel Nadaf aus Nazareth, dass die Kirche mehrmals von „palästinensischen Extremisten“ bedroht worden sei und dass die in der Nacht zum Sonntag das Feuer gelegt hätten. „Ich verurteile von Herzen die Gleichgültigkeit der palästinensischen Behörde, wenn es um den Schutz christlicher Stätten unter ihrer Kontrolle geht. Ich hoffe, dass die Christenführer, die nach der Brandschatzung der Brotvermehrungskirche in Tabgha demonstriert haben, auch jetzt wegen dieser schrecklichen Tat demonstrieren werden.“

Nadaf beklagte weiter, dass es zahlreiche Attacken gegen christliche Stätten in den palästinensischen Gebieten gegeben habe, dass aber die Autonomiebehörde dazu geflissentlich schweige, weil sie derartige Verstöße gegen die Religionsfreiheit in ihren Gebieten „unter den Teppich“ kehre.

In dem Maali-Viertel zwischen Bethlehem und dem Flüchtlingslager Dehaische gibt es eine hohe Konzentration muslimischer Extremisten angesichts wiederholter Razzien und Verhaftungen durch israelische Soldaten.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat den Brand auf seiner Facebook-Seite kommentiert: „Leider ist Israel das einzige Land im Nahen Osten, in dem die christliche Gemeinschaft wächst. Woanders werden Christen angegriffen und verfolgt, auch in der palästinensischen Autonomiebehörde, Bethlehem inbegriffen, der Geburtsstätte des Christentums. Auch dort schrumpft die christliche Gemeinde.“ Weiter schrieb Netanjahu: „Falls die Kirche von Extremisten angezündet worden ist, erwarte ich von der Autonomiebehörde, alles in ihren Kräften stehende zu tun, die Verantwortlichen zu fangen, so wie es Israel getan hat nach Angriffen auf Heilige Stätten aller Religionen.“

Vorläufig haben weder internationale Nachrichtenagenturen noch israelische Medien den Brand in Bethlehem aufgegriffen, mit einer Ausnahme. Die Brandschatzung des Klosters in Tabgha am See Genezareth hatte hingegen tagelang große Schlagzeilen gemacht hat, wahrscheinlich, weil extremistische Juden als Täter verdächtigt worden sind. Mehrere radikale Juden wurden verhaftet und warten auf ihren Prozess. Inzwischen hat Staatsanwalt Jehuda Weinstein erklärt, dass der Staat Israel für die Schäden an dem deutschen Benediktinerkloster aufkommen werde.

© Ulrich W. Sahm

Ein Gedanke zu „Extremisten brennen Kirche in Bethlehem nieder

  1. Nachtrag vom 29. September 2015:

    Der Brandanschlag auf das maronitische Mar Charbel-Kloster in Bethlehem erfährt weiterhin keine öffentliche Aufmerksamkeit in internationalen Medien.

    Jetzt hat der maronitische Erzbischof Mosa el Hage dazu eine Erklärung veröffentlicht. Schon zwei Tage vor der Brandschatzung sei das Kloster von „Dieben“ überfallen und ausgeraubt worden. Die gerufene palästinensische Polizei sei nicht gekommen und habe nichts untersucht.

    Während die palästinensische Agentur Maan nach dem Brand in einer kurzen Meldung von einer Untersuchung der Polizei, der Heimfront und der Stromgesellschaft berichtete, um anzudeuten, dass das Feuer durch einen elektrischen Kurzschluss ausgebrochen sei, schrieb der Erzbischof, dass es in dem Kloster gar keinen Stromanschluss gebe.

    Der maronitische Priester Subchi Makhoul sagte auf Anfrage, dass in dem Kloster niemand verletzt worden sei, weil dort zurzeit niemand wohne. Es werde auf Kosten der palästinensischen Autonomiebehörde renoviert. „Deshalb hat die palästinensische Behörde durchaus ein Interesse, herauszufinden, wer den Brand gelegt hat.“ Mutmaßlich hätten islamistische Extremisten diesen „antichristlichen Anschlag“ verübt.

    Der maronitische Aktivist Schadi Khaloul, christlicher Oberst a.D. der israelischen Armee und Vorsitzender der christlich-aramäischen Vereinigung, fragte auf seiner Facebook-Seite, wo denn die Abgeordneten der gemeinsamen arabischen Liste, darunter Ahmed Tibi, geblieben seien. Warum schweigen sie? Bei Anschlägen jüdischer Extremisten seien sie stets die Ersten, Vorfälle zu verurteilen. Auch die Christenführer, darunter Patriarchen und Bischöfe in Jerusalem, hätten sich zu dem Brandanschlag in Bethlehem ausgeschwiegen, während sie vermeintliche jüdisch/israelische Verstöße gegen den Status Quo auf dem „muslimischen“ Tempelberg lautstark verurteilt hätten. Khaloul warf den Christenführern und der palästinensischen Führung ein „schmutziges Spiel“ vor, den Brandanschlag auf die Brotvermehrungskirche in Tabgha durch „nicht repräsentative jüdische Extremisten“ nicht aus Mitgefühl mit den Christen in Israel verurteilt zu haben, sondern wegen „Hass auf die Juden und ihren Staat“.

    Die „Israelische Vereinigung der Christlichen Aramäer“ (ICAA) schrieb in einer eigenen Verlautbarung, dass Charbel „Sänger Gottes“ bedeutet und dass der gleichnamige maronitische Mönch im 19. Jahrhundert im Libanon gelebt habe. Die Vereinigung rief die PLO auf, die Verbrecher zu fangen, sie zu bestrafen und die Kirche zu kompensieren. „Weil es sich um ein arabisch-islamisches Verbrechen handelt, schweigen alle.“

    © Ulrich W. Sahm

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