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Gedenkzeichen: „Wir sind in die Irre gegangen“

Gestern fand die Enthüllung eines Gedenkzeichens nahe der Eisenacher Bornstraße 11 statt. „Wir sind in die Irre gegangen.“ Dieses Schuldbekenntnis steht in weißen Buchstaben auf dem gut zwei Meter großen Mahnmal aus rostigem Stahl.

Dahinter hängt eine Tafel mit dem folgenden Text:

Am 6. Mai 1939 gründeten elf evangelische Landeskirchen in Eisenach das ,Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben’. Aufgabe dieses Instituts war es, die jüdischen Wurzeln des Christentums zu tilgen, alle positiven Hinweise auf das Volk Israel und das Judentum aus der Heiligen Schrift zu entfernen sowie Lehre und gottesdienstliche Praxis der evangelischen Kirche an die nationalsozialistische Ideologie anzupassen. 

Im Namen sogenannter ,theologisch-völkischer Wissenschaft’ verfälschten die Mitarbeiter des Instituts dazu Wort und Sinn des Evangeliums, schürten den Hass gegen das Judentum und betrieben den Ausschluss von Christinnen und Christen jüdischer Herkunft aus der evangelischen Kirche. Sie trugen mit ihrer Arbeit dazu bei, die Verfolgung und millionenfache Ermordung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger zu rechtfertigen. 

Die Geschäftsstelle des ,Entjudungsinstituts‘ hatte ihren ersten Sitz nur wenige Meter von hier in der Bornstraße 11. Die Nachfolgerinnen der damals beteiligten Landeskirchen haben deshalb dieses Mahnmal hier errichten lassen als Bekenntnis ihrer Schuld und zur Erinnerung an die Opfer von Antijudaismus und Antisemitismus. 

Eisenach, den 6. Mai 2019

Die Löcher im Stahl des Mahn- und Umkehrzeichens sollen daran erinnern, wie das Institut sich daran versuchte, jüdische Teile des Neuen Testamentes und des evangelischen Gesangbuches zu entfernen. Gestaltung und Ausführung des Gedenkzeichens überzeugen unmittelbar. Auch die Veranstaltung selbst war in Musik und Worten der Landesbischöfin Ilse Junkermann und von Vertretern weiterer damals beteiligter Landeskirchen gelungen.

Einige kritische Bemerkungen mögen gleichwohl folgen – auch wenn sie nichts von dem positiven Eindruck abmarkten sollen.

Der Beauftragte der Landesregierung für jüdisches Leben in Thüringen und die Bekämpfung des Antisemitismus, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, erklärte gestern:

„Die Entscheidung der Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, anlässlich des 80. Jahrestages der fatalen Gründung des sogenannten ‚Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben‘ am 6. Mai auf der Wartburg mit einer Gedenkinstallation und einer Fachtagung an die Rolle der evangelischen Kirchen im Nationalsozialismus zu erinnern, ist richtig und wichtig.“

Die etwas missverständliche Formulierung hinsichtlich des Ortes ist eine Lappalie, doch den folgenden Satz aus der Medieninformation der Staatskanzlei halte ich für bemerkenswerter:

„Anhand des sogenannten Entjudungsinstituts können entsprechende Argumentationsmuster, die auch heute noch im gesellschaftlichen Diskurs Verwendung finden, identifiziert und dekonstruiert werden.“

Hier leuchtet die immer häufiger zum Ausdruck gebrachte Meinung auf, Geschichte würde sich einfach wiederholen, im speziellen gegenwärtig die nationalsozialistische. So einfach, wie der Minister meint, ist es nicht. Er müsste konkreter werden: Welche damaligen Argumentationsmuster, die „noch im gesellschaftlichen Diskurs Verwendung finden“, meint Professor Hoff?

Der MDR bringt heute in seinem Veranstaltungsbericht denselben Satz, ohne eine Quelle zu benennen:

„Argumentationsmuster, die immer noch im gesellschaftlichen Diskurs Verwendung finden, müssen identifiziert werden.“

Leider scheint die tatsächliche Quelle solch simplifizierender Suche nach heutigen Parallelen eher eine kirchliche zu sein, und das ist mir das eigentliche Problem:

„In einer Zeit, in der Antisemitismus und Verschwörungstheorien, völkisches Denken und nationalistische Mythen wieder auf dem Vormarsch sind, muss mit aller Deutlichkeit daran erinnert werden, in welche Abgründe derartige Gedanken führen und welche gesellschaftliche Verantwortung die Kirche trägt.“

So wurde am 5. Mai Dr. Jochen Birkenmeier, der Wissenschaftliche Leiter und Kurator des Lutherhauses Eisenach, zitiert.

Dr. Birkenmeier spricht von unserer Zeit und es klingt so, als seien „haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter“ von damals noch immer oder wieder am Werke. Ohne derzeitigen Rechtsextremismus verharmlosen zu wollen – man kann als wissenschaftlicher Leiter einer von der EKM getragenen Einrichtung doch nicht einfach so tun, als wäre heute 1939! Das ist Verharmlosung der Tätigkeit des „Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“. Es nimmt damit dem Schuldbekenntnis von 2019 etwas von seiner Ernsthaftigkeit.

llse Junkermann deutete, wenn auch nur im Nachgespräch im kleineren Kreise im Eisenacher „Glockenhof“, eine andere mögliche Parallele an hat, die tatsächlich bedenkenswert ist. Sie sprach davon, dass die Kirchen sich damals, um sich selbst zu behaupten, der nationalsozialistischen Mehrheit und Macht andienten und dafür das jüdische Evangelium preisgaben – später auch die Juden selbst in ihrer Mitte. Und ob die Kirchen nicht heute wiederum in der Gefahr stünden, um ihrer Selbstbehauptung willen den Mehrheitsmeinungen in Politik und Gesellschaft zu folgen. – Genau das hat jedoch hat Jochen Birkenmeier getan!

Eisenach, Bornstraße 11, erster Sitz des „Entjudungsinstitutes“. Dort war später das Predigerseminar der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen zuhause. Bereits 1994 lud dieses unter seinem Rektor Dr. Günter Reese zu einem Studientag unter dem Titel „Wir sind in die Irre gegangen“ ein. Ab 1997 setzte Rektor Michael Dorsch die Reihe der Studientage zum früheren Ungeist des Ortes jährlich fort.

Dank Landesbischöfin Ilse Junkermann und gelungener Planung und Vorbereitung war die Enthüllung des Gedenkzeichens eine wichtige, wenn auch überfällige Veranstaltung –  die Bemühungen darum reichen zeitlich sehr weit zurück, bis in die Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen. Doch es gibt hier sicherlich kein „zu spät“ – auch wenn es mir, wie angedeutet, scheinen mag, als habe jetzt der Zeitgeist die Sache befördert.

Nur eine kleine Anmerkung noch zum Text der Tafel: Eigentlich hatte man 1939 nicht „die jüdischen Wurzeln des Christentums“ tilgen wollen, sondern das jüdische Christentum. Im Kern ist das Christentum jüdisch. Also tilgte man letztlich das Christentum selbst.

Prof. Susannah Heschel hat, gerade erneut publiziert, darauf hingewiesen:

„Zusammen mit anderen Nazis hatte Alfred Rosenberg die Schwierigkeit dieser Aufgabe (das Jüdische aus dem Christlichen zu entfernen) erkannt und machte die Anstrengungen der christlichen Theologen lächerlich. Er behauptete, dass nichts mehr übrig bliebe, wenn man das Jüdische vom Christlichen wegnimmt.“

Und da hatte Rosenberg ausnahmsweise einmal recht…

Ricklef Münnich

Ilse Neumeister gestorben

Du tust mir kund den Pfad des Lebens.
Psalm 16,11

Wir nehmen Abschied von Ilse Neumeister, unserem Gründungsmitglied seit 1987. Sie verstarb am Gründonnerstag, 18. April 2019.

Die Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft war ihr ein unveräußerliches Anliegen unter unterschiedlichen politischen Bedingungen.

Ihre Überzeugungskraft und das Vertrauen, das sie sich bei Mitstreitern in Politik, Kirche, Gesellschaft und besonders bei jüdischen Partnern erworben hatte, ebnete neue Wege und verpflichtete zum Einspruch gegen jegliche Art der Judenfeindschaft. Dafür sind wir ihr sehr dankbar.

Das Gedenken an das zuverlässige Engagement der „Neumeisterin“, ihre häufig unkonventionelle Initiative und an ihre streitbare Konsequenz werden wir bewahren.

Für den Leitungskreis der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum
Carsten Liesenberg und Ricklef Münnich

Für die Jüdische Landesgemeinde Thüringen
Prof. Dr.-Ing. habil. Reinhard Schramm, Vorsitzender


DIE ZEUGEN

Ein Projekt im öffentlichen Raum

der ACHAVA Festspiele Thüringen mit der Stadt Weimar und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Weimar steht in der Moderne für Humanismus und Aufklärung ebenso wie für Ausgrenzung und Völkermord. Das Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg gehört zu dieser Stadt und soll uns Mahnung sein. Die Häftlinge des Konzentrationslagers wurden durch die Stadt getrieben – sie waren sichtbar.

Das Projekt im öffentlichen Raum soll diese Tatsache auch im Jahr des Bauhausjubiläums deutlich machen. Der Weg zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt ist von zahlreichen Wegmarken gesäumt. Im Norden der stark frequentierte Bahnhofsvorplatz, der Buchenwaldplatz hat direkten Bezug zum Konzentrationslager, das Neue Museum als Ort der Kunst und damaliger Sitz des Gauleiters Sauckel, das jetzige Landesverwaltungsamt war Teil des »Gauforums«, das im Nationalsozialismus zum Zentrum der Stadt werden sollte. Schließlich das neue Bauhaus-Museum …

Der Weimarer Fotograf Thomas Müller porträtierte über mehrere Jahre ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald aus verschiedenen Nationen. Sechzehn großformatige Fotoporträts machen diesen Teil der Geschichte sichtbar und laden die Weimarer und ihre Gäste zum Innehalten ein.

Einladung zur Eröffnung am 1. April 2019 | 17 Uhr |
August-Baudert-Platz | Bahnhofsvorplatz 99423 Weimar

Der Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, wird diese Ausstellung mit den Einladenden gemeinsam eröffnen.

Abschied von Wolfgang Nossen

MP Bodo Ramelow äußerte sich nach Bekanntwerden des Todes von Wolfgang Nossen auf Twitter.

Auf dem jüdischen Friedhof in Erfurt ist am Mittwoch, dem 20. Februar 2019, der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Wolfgang Nossen, beerdigt worden. Er war am vorangegangenen Schabbat 88-jährig verstorben. Rund 200 Menschen nahmen an der Trauerfeier teil. Neben seiner Familie und Mitgliedern der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen waren darunter auch Vertreter der Landesregierung, der Kommune, die Bischöfe in Thüringen sowie viele Freundinnen und Freunde aus Vereinen und Organisationen.

Gemeinsam mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Erfurt und dem Förderverein für jüdisch-israelische Kultur in Thüringen e.V. gab die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen ihrer Trauer in einer Anzeige in den Thüringer Tageszeitungen Ausdruck.

Traueranzeige am Samstag, 26. Februar 2019

Blanka Weber schrieb dem „Mahner und Ermunterer“ Wolfgang Nossen nicht nur einen einfühlsamen Nachruf in der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“, sondern nahm das traurige Ereignis auch zum Anlass, im Deutschlandfunk Kultur über den Stand jüdischen Lebens in Thüringen zu reflektieren: „Dem Antisemitismus die Stirn bieten“.

Das Leben Wolfgang Nossens kann man mit privaten Fotos aus Breslau, Erfurt und Israel noch einmal in einer Galerie des Mitteldeutschen Rundfunks vorüberziehen lassen.

Wolfgang Nossen und Elisabeth Erdmann

Wolfgang M. Nossen ז“ל

Wir trauern um Wolfgang M. Nossen

Viele Angriffe hat er abgewehrt, zahlreiche Kämpfe hat er bestanden. Nun hat er den Kampf gegen die Krankheit verloren. Wolfgang M. Nossen ist eine Woche nach seinem 88. Geburtstag am 16. Februar 2019 verstorben.

Über Jahrzehnte gehörte Wolfgang Nossen dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen an, war zuletzt ihr Ehrenvorsitzender.

Seine Beharrlichkeit, seine über viele schlimme Erfahrungen hindurch unbeugsam gewordene Widerstandskraft haben viele von uns ermutigt. Allen war er ein Vorbild. Wir haben mit ihm viel verloren. Wir trauern um Wolfgang M. Nossen.

Wer sich erinnern und Wolfgang Nossens Leben vorbeiziehen lassen möchte, dem seien seine Zeitzeugenberichte im „Gedächtnis der Nation“ empfohlen, dreizehn Videos im Zeitzeugenportal.


Einladung: Internationaler Holocaust-Gedenktag

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen lädt herzlich ein zur Gedenkveranstaltung anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages:

Kultur- und Bildungszentrum der Jüdischen Landesgemeinde
Juri-Gagarin-Ring 21, 99084 Erfurt,
am Sonntag, den 27. Januar 2019, 16.30 Uhr

Die Vereinten Nationen führten den Tag 2005 ein, um den Opfern des Holocaust sowie dem 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 zu gedenken. In Deutschland wird der 27. Januar seit 1996 als gesetzlich verankerter Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen.

Programmablauf:

  • Gebet des Landesrabbiners Alexander Nachama
  • Musikalischer Beitrag des Misrach-Quartetts unter Leitung von Lutz Balzer
  • Begrüßung durch den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Prof. Dr. Reinhard Schramm
  • Schülerprogramm der Friedrich-Schiller-Gemeinschaftsschule unter Leitung von Beate Wichmann
  • Holocaust: Erinnerung heute – Gedenkrede von Staatssekretär Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder
  • Musikalischer Beitrag des Misrach-Quartetts

In Europa, auch in Deutschland, ist die Mahnung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus gegenwärtig sehr bedeutsam.

Gedenken der Novemberpogrome vor 80 Jahren

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Erfurter Synagoge am Kartäuserring 14 angezündet, der Brand aber nicht gelöscht.

Schaulustige vor der Synagoge Erfurt nach dem 9. November 1938

Schaulustige vor der Synagoge Erfurt nach dem 9. November 1938. Original: Stadtarchiv Erfurt

Nach vorhandenen namentlichen Listen 193 wurden Erfurter jüdische Bürger festgenommen, von denen 189 anschließend ins Konzentrationslager Buchenwald verbracht wurden.

Deckblatt der Gestapo-Listen

Deckblatt der Gestapo-Listen. Kopie: Stadtarchiv Erfurt

Aus Anlass des 80. Jahrestages der Novemberpogrome von 1938 findet am Freitag, dem 9. November 2018, um 10.00 Uhr, auf dem Jüdischen Friedhof Erfurt (Werner-Seelenbinder-Str. 3) eine Gedenkstunde statt. Dazu lädt die Jüdische Landesgemeinde Thüringen ein: „Die Mahnung an die Opfer des Novemberpogroms verbinden wir mit einem Appell für Mitmenschlichkeit und Toleranz.“

Bereits am Mittwoch, 7. November 2018, 19 Uhr, öffnet die Jüdische Landesgemeinde Thüringen ihr Kultur- und Bildungszentrum am Juri-Gagarin-Ring 21 für eine gemeinsame Gedenkveranstaltung mit der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen. Deren Sprecher, Pfarrer i.R. Ricklef Münnich, geht von gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen aus und fragt, welche Bedeutung die verheerenden Pogrome vor 80 Jahren heute bekommen. Ausgangspunkt ist eine Feststellung, die der Philosoph Karl Jaspers 1949 getroffen hat: „Was die Geschichte überliefert, wird uns lebendig aus unserem eigenen Zeitalter“. Musikalisch wird das Gedenken begleitet von der Gruppe Misrach unter Leitung von Lutz Balzer. 

Die Veranstaltung, deren Eintritt frei ist, ist Teil der „Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus“ der Amadeu Antonio Stiftung, der größten Kampagne gegen Antisemitismus in Deutschland.

Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus“ der Amadeu Antonio Stiftung

Blickpunkt Jerusalem: „Hinauf nach Jerusalem. Die heilige Stadt im Neuen Testament“

Blickpunkt Jerusalem

Jerusalem ist wieder Thema. Nein, Jerusalem ist immer Thema!

Deshalb laden die Jüdische Landesgemeinde Thüringen und die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum zu einer Veranstaltungsreihe ein, die auch ein vertiefendes Gespräch ermöglichen sollen. Sie findet statt im Kultur- und Bildungszentrum der jüdischen Gemeinde, Juri-Gagarin-Ring 21 – gegenüber vom Hirschgarten gelegen.

Für den vierten und letzten Abend der Reihe am Mittwoch, dem 17. Oktober 2018, um 19 Uhr, kommt noch einmal die Bibel in den Blick:

„Hinauf nach Jerusalem.
Die heilige Stadt im Neuen Testament“

Pfarrer i.R. Ricklef Münnich: Die Bedeutung Jerusalems in der Bibel ist kaum zu überschätzen. In der jüdischen Bibel, unserem Alte Testament wird die Stadt 660mal erwähnt. Aber im Neuen Testament ist es nicht anders. Nur ein einziges Mal erzählen die Evangelien davon, dass Jesus weinte – im Angesicht Jerusalems. Beim Apostel Paulus erweist sich an der Jerusalemer Gemeinde die Wahrheit seines Evangeliums für die Völker. Und die christliche Bibel endet mit einem Blick auf ein neues Jerusalem, in dem Gott selbst seinen Thron zur Friedensherrschaft errichtet.

Abschied von Pfarrer i.R. Karl Metzner

Am 26. August 2018 ist Pfarrer i.R. Karl Metzner im 91. Lebensjahr verstorben. Der Trauergottesdienst fand am 1. September 2018 in der Erfurter Andreaskirche statt.

Karl Metzner war über viele Jahre (nicht nur) in unserer Arbeitsgemeinschaft aktiv und lebte seine Verbundenheit mit der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. Deren Vorsitzender, Prof. Dr.-Ing. habil. Reinhard Schramm schrieb zum Tode von Pfarrer Metzner:

Karl MetznerUnser Freund Pfarrer i.R. Karl Metzner ist am 26. August von uns gegangen!

„Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen trauert mit den Angehörigen von Karl Metzner und unseren christlichen Freunden. Auch wir haben einen guten und verlässlichen Freund verloren. Karl Metzner hat als junger Christ mutig und opferreich Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet, hat später seinen Glauben in der DDR Diskriminierung zum Trotz offensiv zur Wirkung verholfen und nach der Wende sich bis in seine letzten Tage für Mitmenschlichkeit und Toleranz, gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus eingesetzt. Wir verneigen uns in tiefer Dankbarkeit vor unserem teuren Freund. Gerade in der heutigen Zeit der Rückkehr zum Nationalismus in Europa wird uns Karl Metzner besonders fehlen. Möge sein Vorbild die Mitte unserer Gesellschaft wachrütteln.“

Peter Franz, ehemals Pfarrer im „Evangelischen Gemeindezentrum Thomas
Müntzer“ von Kapellendorf, Vorsitzender der Basisgruppe Weimar-Apolda in
der VVN-BdA, schreibt:

Karl Metzner 2„Karl Metzner war uns in der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) ein
guter und engagierter Freund. Seine Überzeugung, dass Völkerfreundschaft
und Völkerfrieden Werte sind, die aus Jesu Bergpredigt abzuleiten sind,
hat ihn an unsere Seite geführt. Am Kreuzweg für den Frieden, den die
CFK Thüringen mehrfach in der Natonalen Mahn- und Gedenkstätte
Buchenwald durchführte, war Karl immer mit dem Herzen dabei – ebenso bei
zahlreichen Wochenenden der Information und des Gesprächs um Frieden und
Völkerverständigung, die im „Evangelischen Gemeindezentrum Thomas
Müntzer“ von Kapellendorf in den 1980er Jahren stattfanden.

Genauso engagiert kennen wir Karl als Mitglied und Vorstandsmitglied in
der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten
(VVN-BdA) Thüringen. An einigen Exkursionen des Thüringer Verbandes zu
Gedenkstätten für Verfolgung und Widerstand gegen das Naziregime war er
aktiv und immer gesprächsbereit beteiligt.

Auch nach seinem Heimgang erfüllt uns mit Dankbarkeit, dass wir diesen
mitmenschlichen und gesprächsbereiten Antifaschisten in unserer
Gemeinschaft haben durften.“

Blickpunkt Jerusalem: „Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?“

Blickpunkt Jerusalem


Jerusalem ist wieder Thema. Nein, Jerusalem ist immer Thema!

Deshalb laden die Jüdische Landesgemeinde Thüringen und die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum zu einer Reihe von Veranstaltungen ein, die auch ein vertiefendes Gespräch ermöglichen sollen. Sie finden statt im Kultur- und Bildungszentrum der jüdischen Gemeinde, Juri-Gagarin-Ring 21 – das ist am Hirschgarten gelegen.

Für den dritten Abend der Reihe am Mittwoch, dem 29. August 2018, um 19 Uhr, kommt eigens Besuch aus Jerusalem!

Georg Rössler lebt seit 1988 mit seiner Familie in Jerusalem. Er ist Gründer und ehrenamtlicher Ko-Direktor von „SOS-Gewalt/Zentrum für Friedenspädagogik in Israel“. Außerdem ist er Reiseveranstalter und Ko-Direktor von „SK-Tours in Nature“ sowie Begründer der Projekte „Fair Travel in Israel & Palästina“ und „Jerusalem-Weg“. Also kann man sagen: Jerusalem kennt er „wie seine Westentasche“.

Aber Georg Rössler selbst drückt es mit einem anderen Bild aus, das er auf uns alle bezieht; er fragt:
„Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?“
Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?

Georg Rössler geht den Fragen nach:

  • Warum gibt es in Israel/Palästina mehr Journalisten pro Quadratmeter als sonstwo auf der Welt?
  • Warum schaut die Welt gebannt wie das Kaninchen auf die Schlange auf die Stadt Jerusalem?
  • Warum führt die Ausführung des Beschlusses, die Botschaft der USA nach Jerusalem zu verlegen, zu internationalem Aufruhr?
  • Wie konnte es dazu kommen, dass sich eine kleine kanaanäische Siedlung zur bekanntesten Stadt der Welt entwickelt hat – bis hin zu einem himmlischen Jerusalem?
  • Warum haben wir (fast) alle ‚Aktien‘ an Jerusalem?

Mit einem Streifzug durch Bibel- und Zeitgeschichte wird Georg Rössler versuchen, diese Fragen für uns zu erhellen…

„Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?“

Mittwoch, 29. August 2018, 19 Uhr
Kultur- und Bildungszentrum
der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen
Juri-Gagarin-Ring 21, 99084 Erfurt
(Eintritt frei)

Ein Einladungsplakat können Sie hier zum Download erhalten.

Einen weiteren Veranstaltungstermin in der Reihe Blickpunkt Jerusalem gibt es noch:

  • 17. Oktober 2018: Ricklef Münnich (Erfurt), „Hinauf nach Jerusalem. Die heilige Stadt im Neuen Testament“