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Abschied von Pfarrer i.R. Karl Metzner

Am 26. August 2018 ist Pfarrer i.R. Karl Metzner im 91. Lebensjahr verstorben. Der Trauergottesdienst fand am 1. September 2018 in der Erfurter Andreaskirche statt.

Karl Metzner war über viele Jahre (nicht nur) in unserer Arbeitsgemeinschaft aktiv und lebte seine Verbundenheit mit der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. Deren Vorsitzender, Prof. Dr.-Ing. habil. Reinhard Schramm schrieb zum Tode von Pfarrer Metzner:

Karl MetznerUnser Freund Pfarrer i.R. Karl Metzner ist am 26. August von uns gegangen!

„Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen trauert mit den Angehörigen von Karl Metzner und unseren christlichen Freunden. Auch wir haben einen guten und verlässlichen Freund verloren. Karl Metzner hat als junger Christ mutig und opferreich Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet, hat später seinen Glauben in der DDR Diskriminierung zum Trotz offensiv zur Wirkung verholfen und nach der Wende sich bis in seine letzten Tage für Mitmenschlichkeit und Toleranz, gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus eingesetzt. Wir verneigen uns in tiefer Dankbarkeit vor unserem teuren Freund. Gerade in der heutigen Zeit der Rückkehr zum Nationalismus in Europa wird uns Karl Metzner besonders fehlen. Möge sein Vorbild die Mitte unserer Gesellschaft wachrütteln.“

Peter Franz, ehemals Pfarrer im „Evangelischen Gemeindezentrum Thomas
Müntzer“ von Kapellendorf, Vorsitzender der Basisgruppe Weimar-Apolda in
der VVN-BdA, schreibt:

Karl Metzner 2„Karl Metzner war uns in der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) ein
guter und engagierter Freund. Seine Überzeugung, dass Völkerfreundschaft
und Völkerfrieden Werte sind, die aus Jesu Bergpredigt abzuleiten sind,
hat ihn an unsere Seite geführt. Am Kreuzweg für den Frieden, den die
CFK Thüringen mehrfach in der Natonalen Mahn- und Gedenkstätte
Buchenwald durchführte, war Karl immer mit dem Herzen dabei – ebenso bei
zahlreichen Wochenenden der Information und des Gesprächs um Frieden und
Völkerverständigung, die im „Evangelischen Gemeindezentrum Thomas
Müntzer“ von Kapellendorf in den 1980er Jahren stattfanden.

Genauso engagiert kennen wir Karl als Mitglied und Vorstandsmitglied in
der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten
(VVN-BdA) Thüringen. An einigen Exkursionen des Thüringer Verbandes zu
Gedenkstätten für Verfolgung und Widerstand gegen das Naziregime war er
aktiv und immer gesprächsbereit beteiligt.

Auch nach seinem Heimgang erfüllt uns mit Dankbarkeit, dass wir diesen
mitmenschlichen und gesprächsbereiten Antifaschisten in unserer
Gemeinschaft haben durften.“

Blickpunkt Jerusalem: „Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?“

Blickpunkt Jerusalem


Jerusalem ist wieder Thema. Nein, Jerusalem ist immer Thema!

Deshalb laden die Jüdische Landesgemeinde Thüringen und die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum zu einer Reihe von Veranstaltungen ein, die auch ein vertiefendes Gespräch ermöglichen sollen. Sie finden statt im Kultur- und Bildungszentrum der jüdischen Gemeinde, Juri-Gagarin-Ring 21 – das ist am Hirschgarten gelegen.

Für den dritten Abend der Reihe am Mittwoch, dem 29. August 2018, um 19 Uhr, kommt eigens Besuch aus Jerusalem!

Georg Rössler lebt seit 1988 mit seiner Familie in Jerusalem. Er ist Gründer und ehrenamtlicher Ko-Direktor von „SOS-Gewalt/Zentrum für Friedenspädagogik in Israel“. Außerdem ist er Reiseveranstalter und Ko-Direktor von „SK-Tours in Nature“ sowie Begründer der Projekte „Fair Travel in Israel & Palästina“ und „Jerusalem-Weg“. Also kann man sagen: Jerusalem kennt er „wie seine Westentasche“.

Aber Georg Rössler selbst drückt es mit einem anderen Bild aus, das er auf uns alle bezieht; er fragt:
„Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?“
Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?

Georg Rössler geht den Fragen nach:

  • Warum gibt es in Israel/Palästina mehr Journalisten pro Quadratmeter als sonstwo auf der Welt?
  • Warum schaut die Welt gebannt wie das Kaninchen auf die Schlange auf die Stadt Jerusalem?
  • Warum führt die Ausführung des Beschlusses, die Botschaft der USA nach Jerusalem zu verlegen, zu internationalem Aufruhr?
  • Wie konnte es dazu kommen, dass sich eine kleine kanaanäische Siedlung zur bekanntesten Stadt der Welt entwickelt hat – bis hin zu einem himmlischen Jerusalem?
  • Warum haben wir (fast) alle ‚Aktien‘ an Jerusalem?

Mit einem Streifzug durch Bibel- und Zeitgeschichte wird Georg Rössler versuchen, diese Fragen für uns zu erhellen…

„Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?“

Mittwoch, 29. August 2018, 19 Uhr
Kultur- und Bildungszentrum
der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen
Juri-Gagarin-Ring 21, 99084 Erfurt
(Eintritt frei)

Ein Einladungsplakat können Sie hier zum Download erhalten.

Einen weiteren Veranstaltungstermin in der Reihe Blickpunkt Jerusalem gibt es noch:

  • 17. Oktober 2018: Ricklef Münnich (Erfurt), „Hinauf nach Jerusalem. Die heilige Stadt im Neuen Testament“

Satt und träge. Der Israelsonntag in der Kirchenzeitung

Satt und träge. Der Israelsonntag in der Kirchenzeitung der EKM

„GLAUBE+HEIMAT“, der mitteldeutschen Kirchenzeitung, blieb glücklicherweise erspart, sich wie das Berliner Schwesterblatt, „die Kirche“, mit einem den Israelsonntag konterkarierenden Vorgang auf den eigenen Seiten auseinandersetzen zu müssen. Doch die deswegen dort noch ein wenig pointierter als sonst gesetzten Zeilen von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies zum Anlass gelten nichtsdestoweniger ebenfalls für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland.

Markschies bringt Weihnachten, Passionszeit und Ostern auf eine Höhe mit dem Israelsonntag, indem er feststellt, die bekannteren Feierzeiten der Christen bedenken, „was Jesus Christus für unseren Glauben bedeutet“, während wir am Israelsonntag feiern und bedenken, „was das Judentum für den christlichen Glauben bedeutet“. Bei allen Anlässen gehe es um „die Grundlagen unseres Glaubens“ und „das Bekenntnis unserer Kirche“.

Ist dem so, fällt die Reflexion über die Botschaft des Israelsonntags im Kirchenblatt in der EKM doch sehr deutlich gegenüber den kirchenjahreszeitlichen Weihnachtsseiten, den Passions-Reihen oder den österlich gestimmten Texten ab. Abgesehen von einem zusammenfassenden Rückblick auf einen Vortrag unserer Arbeitsgemeinschaft im Kultur- und Bildungszentrum der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen nehmen – wie auch sonst – das „Wort zur Woche“ und die Gedanken zum „Predigttext“ das „Proprium“, also die Besonderheit des Sonntags auf – oder eben nicht, jedenfalls nicht in anderer Weise als jeden Sonntag.

Aber bei den Anstößen, die der Israelsonntag zu geben vermag, geht es natürlich nicht um Quantität. Daher werfen wir den Blick in die beiden genannten Beiträge.

Rhetorisch nicht ungeschickt wiederholt Pfarrer Stefan Körner auf drei von vier Absätzen: „Ich habe es so satt!“. Satt hat er zu hören, wie Juden verachtet und verprügelt werden, wie der Zeigefinger auf andere von einem Antisemitismus in den eigenen Reihen ablenken soll, wie gut die Hälfte der Deutschen „unter die Shoah einen ‚Schlussstrich‘ ziehen will“ oder „gut 20 Prozent antisemitischen Verschwörungstheorien anhängen“. Satt hat er, wie „rechte Extremisten“ sich „als neue Juden stilisieren, die verfolgt und ausgegrenzt würden“, satt also hat er, wie sich „immer und immer wieder“ Lüge als Wahrheit verkleidet.

Über Juden und über Israel erfährt der Leser in drei Vierteln des Beitrages nur Negatives oder in Abwehr negativer Äußerungen und Gedanken. Zum Schluss muss dann natürlich nach der „Lüge“ die „Wahrheit“ in den Blick kommen. Leider ist es dann lediglich „Gottes Wahrheit“, von der zu lesen ist, nämlich „dass Gott ein besonderes Augenmerk auf sein Volk hat, das er sich erwählte“. 

Spannend wäre doch nun gewesen zu erfahren, was diese Wahrheit für die Kirche und die Christinnen und Christen bedeuten würde. Von der Tat, die aus der Wahrheit, dem Evangelium, folgt, wäre doch jetzt zu schreiben! Stattdessen nur: „Ich habe es nicht satt zu glauben“, nämlich, „dass Gottes Verheißung und Versprechung zuverlässig sind“. Beim Glauben soll es dann dem Autor zufolge auch bleiben, nämlich „so lange, bis all das ein Ende hat“! 

Mit Paul Gerhardt kann man da nur ausrufen und singen: „Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not“, insbesondere der theologischen – wusste der Liederdichter doch zu seiner Zeit immerhin, dass die Bitte hinzugehört „stärk unsre Füß und Hände“ – denn nur dann, nämlich so „gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein“. (EG 361)

Nun gut, Prediger*innen am Israelsonntag holen sich vielleicht auch eher Anregung bei den Gedanken zum Predigttext. Pfarrer Michael Greßler ist zu danken, dass er genau die Defizite seines Amtsbruders einholt. Denn mit Gottes „Verheißungen ist das so eine Sache. Sie sollen erfüllt sein. Das geht aber nur mit den Menschen.“ Von hier wäre es jetzt nur noch ein (Gedanken-)Schritt, um zu überlegen, dass und vor allem, wie die Kirche mitverantwortlich ist und mittuend sein soll an der Verwirklichung biblischer Zusagen an das Gottesvolk Israel. 

Doch erneut Fehlanzeige. Der Ausleger bleibt zunächst im 6. Jahrhundert vor Christus, der Zeit des Jesaja-Predigttextes. „Viel ist geschehen seitdem. (…) Auch durch unser deutsches Volk. Viel Schuld.“ 

Aber: „Geändert hat sich nichts“. Das wird wieder bis zum Ende auch so bleiben, wenn die ausschließliche Folgerung ist: „Betet! Erinnert Gott an sein Heil!“ 

Damit soll ausdrücklich nichts gegen die Kraft des Gebets gesagt sein.Jedoch wird die Kraft des prophetischen Wortes damit nicht annähernd ausgeschöpft. „Bereitet dem Volk (dem Volk Israel) den Weg!“ ist am Israelsonntag Jesajas Botschaft an die Christengemeinde. Und: „Richtet ein Zeichen auf für die Völker!“ Die christliche Siedlung Nes Ammim in Israel hatte zu Beginn der 1960er Jahre diesen Aufruf Jesajas als ihren Namen gewählt, um ein Zeichen der Solidarität mit dem jüdischen Volk als Beginn einer neuen Beziehung zwischen Christen und Juden zu setzen. 

Wo bleibt ein solches Zeichen heute? Der Israelsonntag 2018 lässt die Frage offen, stellt sie nicht einmal.

Ricklef Münnich

Blickpunkt Jerusalem: „Von der Not über Jerusalem zu singen“

Jerusalem, du hochgebaute Stadt

„Jerusalem, du hochgebaute Stadt“ wurde zuerst im Erfurter Gesangbuch von 1663 gedruckt.

Die evangelische Wochenzeitung „Glaube und Heimat“ veröffentlicht in ihrer Ausgabe Nr. 31 zum 10. Sonntag nach Trinitatis am 5. August 2018 einen Ausschnitt aus dem Vortrag, den Pfarrer Teja Begrich (Mühlhausen) in der Reihe „Blickpunkt Jerusalem“, die unsere Arbeitsgemeinschaft zusammen mit der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen veranstaltet, am 20. Juni 2018 gehalten hat.

Der 10. Sonntag nach Trinitatis wird in den evangelischen Kirchen „Israelsonntag“ genannt. Daher betrachten wir in einem eigenen Beitrag, wie die Kirchenzeitung der mitteldeutschen Kirchen auf diesen besonderen Tag eingeht.

Hier aber dokumentieren wir zunächst Teja Begrichs Beitrag.

(Ricklef Münnich)

Von der Not über Jerusalem zu singen

Jerusalem ist in aller Munde. Nicht nur bei den Radsportfans, die im Mai den Prolog des Giro d’Italia inmitten Jerusalems verfolgten, auch Präsident Trump gab sich alle Mühe, dass Jerusalem in den vergangenen Monaten nicht in Vergessenheit geriet. Das Evangelische Gesangbuch macht es etwas subtiler. Auch dort wird Jerusalem im Munde geführt, zwar nur in sehr wenigen, jedoch ausgesprochen ausgesuchten Liedern. Entgegen der vermutlichen Annahme nämlich, kommt Jerusalem im Gesangbuch ausgesprochen selten vor: Ganze sieben Lieder inmitten von Hunderten. Und verteilt über das Kirchenjahr sind sie nicht; vielmehr stehen sie komprimiert an Anfang und am Ende.

Natürlich »Tochter Zion« im Advent mit seiner populären Melodie, der sich weder »Boney M.« noch »Ton Steine Scherben« entziehen konnten, und das selten bis nie gesungene Adventslied »Dein König kommt in niedern Hüllen«. Dann haben wir ein ganzes Jahr Pause. Erst am Ewigkeitssonntag treffen wir wieder auf Jerusalem, dafür aber in drei von acht möglichen Liedern für diesen Sonntag. Und natürlich im schönsten aller Lieder zur Ewigkeit: »Wachet auf, ruft uns die Stimme«.

Zu Weihnachten, zur Passion und Ostern kommen wir ohne Jerusalem aus. Weihnachten ist ja noch verständlich: Wer braucht im Stall von Bethlehem schon Jerusalem! Aber Ostern und die Passion? Entspricht dieses Fehlen der Bedeutung Jerusalems im Protestantismus? Oder liegt es eher daran, wie der Protestantismus ganz allgemein mit heiligen Orten umgeht? Schließlich bewertete unser Reformator ja den schon zu seinen Zeiten populären Pilgerweg nach Santiago de Compostela: »Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt.«

Dass das Heil an einem bestimmten Orte gebunden sei, ist evangelischer Theologie fremd. Wir haben, um mit Fulbert Steffensky zu sprechen, ernst damit gemacht, dass das Christentum »auf einen uranfänglichen Mangel gegründet ist, auf das leere Grab«. Protestanten können daher nüchtern sagen: Wir brauchen Jerusalem nicht! »Der Herr ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.« – Was sollen wir nun mit Jerusalem?

Weil aber auch der nüchternste Protestant nicht ohne Sehnsucht auskommt, auch nicht ohne theologische, gibt es Lieder über Jerusalem. Ein Sehnsuchtslied besonderer Güte ist »Wachet auf, ruft uns die Stimme«. 1598 überfiel die Pest die Stadt Unna. Ihr Pfarrer Phillip Nicolai berichtet von 30 Beerdigungen am Tag und singt im Angesicht der grassierenden Pest, inmitten von Tod und Elend von Hosianna, Gloria und Halleluja. Er errichtet eine Gegenwelt und träumt von einem Freudensaal mit paradiesischem Abendmahl. Die Sehnsucht auf das himmlische Hochzeitsmahl wird zu einem Ausblick aufs Leben. Jedes Fest ist ein Abglanz des ewigen Festes und jedes Abendmahl eine Verheißung des großen Festmahls.

Dann werden auch wir singen: »Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat mehr gehört solche Freude. Des jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für…«

Teja Begrich

»Blickpunkt Jerusalem« ist der Titel einer Veranstaltungsreihe der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen und der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum im Kultur- und Bildungszentrum der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Juri-Gagarin-Ring 21, Erfurt. Die nächsten Termine: 

29. August, 19 Uhr: Georg Rössler (Jerusalem), »Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?«


17. Oktober, 19 Uhr: Ricklef Münnich (Erfurt) »Hinauf nach Jerusalem. Die Heilige Stadt im Neuen Testament«

Handlungsmuster des Bedauerns. Antisemitismus in den Zeitungsmedien

„In diesem Jahr ist doch manches anders“, resümiert Christoph Markschies in seinem Beitrag zum Israelsonntag 2018 in der Evangelischen Wochenzeitung für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz „die Kirche“:

„Der emeritierte Papst fragt, ob das, was evangelische und katholische Kirche seit Jahrzehnten gemeinsam über die ungekündigten Verheißungen für das jüdische Volk in ihren Grundtexten bekennen, vielleicht nicht doch zu wenig gründlich bedacht wurde. Ordinierte Pfarrer wissen nicht mehr, dass das Alte Testament wie in allen christlichen Kirchen seit 2 000 Jahren auch in der EKBO und in der ganzen Evangelischen Kirche in Deutschland der erste Teil der zweiteiligen christlichen Bibel ist. Und dann schlägt man noch seine Kirchenzeitung auf und findet eine ganz trübe Karikatur darin.“

Markschies bezog sich auf eine Karikatur, die die Kirchenzeitung am vorhergehenden Sonntag gedruckt hatte. Anlass war das vom israelischen Parlament, der Knesset, verabschiedete Nationalstaatsgesetz. Bischof Markus Dröge sah sich umgehend zu einer Distanzierung veranlasst: „Eine solche Karikatur in unserer Kirchenzeitung ist für mich vollkommen inakzeptabel! Hier wird mit Bildern suggeriert, es seien ,die Juden‘, die ,die Araber‘ in Israel beiseite drücken, aushungern, zerquetschen wollen. Gut und Böse sind klar verteilt.“

Verlag und Redaktion erkannten denn auch sofort, dass ihnen mit der Veröffentlichung „ein schwerer Fehler unterlaufen“ ist: „Der Abdruck ist in kritischer politischer Absicht gegenüber dem neuen Nationalstaatsgesetz geschehen – und bedeutet in der fatalen Annahme, dass es eine rein politische Karikatur in unserer Zeitung zu diesen Themen geben könnte, eine nicht zu entschuldigende Geschmacklosigkeit.“

Mit dieser Wertung ist der Vorgang zutreffend bezeichnet. Gerade angesichts der Urteile des Bundesverfassungsgerichtes in dieser Woche ist zu betonen, dass die Karikatur von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, die, wie das Gericht schon 1958 feststellte, „eines der vornehmsten Menschenrechte überhaupt“ und für unser freiheitlich-demokratische Staatsordnung „schlechthin konstituierend“ sei. Das oberste Gericht beeilte sich jetzt aber zugleich zu betonen, dass deshalb nicht jede nicht strafbare Äußerung gleich akzeptabel sei. Die Auseinandersetzung mit den Grenzen der Freiheit und des Anstandes ist daher Aufgabe aller und kann nur im öffentlichen Diskurs geführt werden. Dazu sollen diese Zeilen einen Beitrag liefern.

In der Debatte um Kritik am Handeln der israelischen Regierung und insbesondere an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist besonders darauf zu achten, ob und wie antisemitische Klischees, etwa in einer Karikatur, wiederaufgenommen und aktualisiert werden. Hier gab es in den vergangenen fünf Jahren durchaus einen roten Faden, den der Zeichner in „die Kirche“ fortgesponnen hat.

Im Juni 2013 missbrauchte die „Süddeutsche Zeitung“ eine Zeichnung von Ernst Kahl, indem sie diese in einen völlig neuen Kontext setzte, über den der Zeichner damals sich nur „entsetzt“ äußern konnte, weil sie mit der Unterzeile „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefräßigen Moloch“ nun wie eine antisemitischen Hetzzeichnung auf Stürmer-Niveau wirken musste. Der nationalsozialistische „Stürmer“ hat den hässlichen, gefräßigen Juden, einen Moloch in Menschengestalt, der im Begriff ist, sich die Welt einzuverleiben, so fest ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt, dass er jederzeit abrufbar ist – nur tritt heute „Israel“ an die Stelle des „Juden“.

Nur wenige Wochen später war es die „Stuttgarter Zeitung“, die ein bestehendes Werk in einen neuen und antisemitischen Kontext setzte – diesmal Georg Kreislers Moritat vom „Tauben vergiften“. Ministerpräsident Netanjahu sitzt auf einer Bank und wirft einer bedröppelt dreinblickenden Friedenstaube vergiftete Brotstückchen hin. Damit wird erneut eine Erinnerung des antisemitischen kulturellen Gedächtnisses reaktiviert: das Bild der Juden als „Brunnenvergifter“, das in der Geschichte mehrfach Pogrome gegen jüdische Gemeinden auslöste.

Unnötig hervorzuheben ist, dass Israel mit Netanjahu natürlich alleine auf der Anklagebank im Park sitzt; Palästinenser, arabische Staaten oder der Iran bleiben unsichtbar, sie stehen ja auf der Opferseite.

Und wieder gab es heftigen Protest für die vorgenommene Umdeutung. Georg Kreislers Tochter Sandra Kreisler schrieb an die Redaktion: „Wie kann man nur eine Zeichnung veröffentlichen, die den Namen und die Arbeit meines Vaters in Zusammenhang mit einer Meinung stellt, die erstens deutlich NICHT die seine war, zweitens KEINERLEI Verbindung mit dem zitierten Lied hat und drittens rein inhaltlich ebenso antisemitisch wie inhaltlich falsch ist.“ Der stellvertretende Chefredakteur Michael Maurer antwortete, er „bedauere es, dass Sie sich durch die Karikatur verletzt fühlen. Das war weder die Absicht des Karikaturisten noch die der Redaktion.“

Immerhin nicht nur ein Bedauern, sondern das Eingeständnis eines Fehlers, „für den wir um Entschuldigung bitten“, äußerte der Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, Wolfgang Krach, nachdem sein Blatt im Mai diesen Jahres eine Karikatur ihres Zeichners Dieter Hanitzsch, gedruckt hatte, die Benjamin Netanjahu in Gestalt der israelischen Gewinnerin des Eurovision Song Contest, Netta, zeigte: Er hält eine Rakete in der Hand und in der Sprechblase steht: „Nächstes Jahr in Jerusalem!“ Auf der Rakete ist ein Davidstern abgebildet, im Schriftzug „Eurovision Song Contest“ ersetzt ein Davidstern das „v“.

In der Folge der Proteste, in die sich sogar der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, einfügte, beendete die „Süddeutsche Zeitung“ ihre Zusammenarbeit mit Hanitzsch. Klein hatte kritisiert: „Hier werden Assoziationen an die unerträglichen Zeichnungen der nationalsozialistischen Propaganda geweckt. Auch wenn Karikaturen ironisieren und provozieren sollen, ist hier eine rote Linie überschritten worden.“

Im Juni 2018 beschied der Deutsche Presserat die eingereichten Beschwerden: Die Karikatur „ist von der Meinungsfreiheit gedeckt. Die Grenze zur Diskriminierung von Juden sei nicht überschritten worden.“

Die Diskussion um Antisemitismus in der Zeitungspresse schwappte im Juli auch nach Thüringen. Am Montag, dem 23.07.2018, nahm Rezensentin Dr. Ursula Mielke ihren Bericht in der „Thüringer Allgemeinen“ und der „Thüringischen Landeszeitung“ über ein Konzert des deutsch-israelischen Kadya Jugendchores im Rahmen des Yiddish Summer Weimar zum Anlass, mit dem Festival jiddischer Lebenswelten insgesamt abzurechnen: „Künstlich muss man nichts, aber auch gar nichts am Leben erhalten.“ „Künstlich“ war ihr die Finanzierung der Festspiele, „weil alle Welt glaubt, dass wir Deutschen immer noch humanitäre Schulden aus dem Zweiten Weltkrieg zu begleichen hätten“ und darum bei uns „das Geld für allseits sehr gut begründbare Projekte noch locker fließt“. Das sei auch der Grund, warum der Festivalmacher Alan Berg sein Projekt „nicht in seinem großen, reichen Herkunftsland USA ansiedelt, sondern im kleinen Deutschland“.

Johannes Heil, Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, urteilte anschließend zutreffend: Die Redakteurin schaffe es, „binnen weniger Zeilen das gesamte Repertoire modern gewendeter Antisemitismen einzuspielen. Ihre Codes lauten Schuld, Geld, Jude; im Subtext klingen Ostküste, Wall Street, Hochfinanz, Blutsauger und auch Höckes Schandmal an. Das ist mehr als die Rede von »klein« gegen »reich«. Hier erklingt eine musikalische Variante der »Auschwitzkeule«, mit am Ende stets demselben Refrain: dass der Holocaust den Juden immer noch gut genug sei, um damit Kasse zu machen.“

Auch hier ähnelten die Reaktionen den zuvor beschriebenen. Chefredakteur Johannes M. Fischer bat für die „Thüringer Allgemeine“ „alle, die sich verletzt fühlen“ um Entschuldigung. Der „Artikel mit antisemitischen Äußerungen … hätte nie erscheinen dürfen.“ Und die Funke-Mediengruppe, zu der die Thüringer Zeitungen gehören, äußerte, „die Autorin dürfe in Zukunft nicht mehr in den Zeitungen der Gruppe publizieren“.

Angesichts der Karikaturen und Texte, deren Vorstellung hier keine vollständige sein will, wird ein Handlungsmuster erkennbar. Redaktionen und Chefredakteure vermögen das antisemitische Potential der von ihnen gedruckten Beiträge nicht zu erkennen. Warum eigentlich nicht?

Hinterher, wenn „das Kind in den Brunnen gefallen“ ist, drückt man eilfertig Bedauern aus oder bittet um Entschuldigung. Angesichts der Häufung der Vorgänge kam es zuletzt zunehmend zur Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Autorin oder Zeichner.
Die Frage nach der Verantwortung und dem journalistischen Handeln der Redakteure aber bleibt und wartet auf glaubwürdige Antwort.

Ricklef Münnich

Kunsthalle Erfurt: „Elena Kaufmann. Ein Jahr mit dem Stern“

Die ACHAVA Festspiele Thüringen präsentieren: 

„Elena Kaufmann. Ein Jahr mit dem Stern“
Fotografien

Kunsthalle Erfurt
19. Juli – 30. September 2018 

Seit 2012 lebt und arbeitet die in St. Petersburg aufgewachsene Fotografin Elena Kaufmann in Erfurt. Hier hat sie über einen längeren Zeitraum Menschen der jüdischen Gemeinde mit der Kamera begleitet, um sie zu porträtieren und Momente zwischen Heiligkeit und Alltäglichem einzufangen. Neben stimmungsvollen Situationsaufnahmen, deren menschliche Wärme und Nähe oftmals zeitlos wirkt, wandte sie sich den Menschen auch im Porträt zu und überzeugt gleichfalls hier mit ihrer feinsinnigen Beobachtungsgabe. Entstanden aus einer gemeinsamen Idee, fördern die ACHAVA Festspiele Thüringen eine Ausstellung und ein Buch, um das Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Fragt man, was den besonderen Wert dieser über Wochen und Monate kontinuierlich anwachsenden Serie ausmacht, dann findet man Antworten in der Geschichte der Fotografie und in der Intention der Fotografin, stets das Konkret-Menschliche im Fokus ihrer Arbeit zu halten, den persönlichen Ausdruck, die individuelle Erscheinung. Es geht ihr nicht vordergründig um visuelle Reize und gelungene Kompositionen. Sie spielen natürlich eine Rolle als Mittel zur Erreichung ihres zentralen Anliegens: das Menschliche und damit Verbindende in all den Szenen zu zeigen, die jüdisches Leben heute in einer kleinen Gemeinde und einer Stadt wie Erfurt charakterisieren.
Hier wird jüdisches Leben nicht einfach illustriert und dabei auf Allgemeinverständlichkeit des Gezeigten abgezielt, wie man es von einer üblichen fotografischen Reportage erwarten könnte. Nein, weit darüber hinaus gelingt hier das Sichtbarmachen fragiler zwischenmenschlicher Geflechte, subjektiver Gesten und Befindlichkeiten. Im Zentrum immer wieder der menschlich berührende Moment, der dem einen oder anderen Augenzeugen vielleicht entgangen ist, nicht jedoch der feinen Wahrnehmung der Fotografin, die sich dabei als eine Künstlerin ihres Fachs erweist. Zur Kunst wird beobachtendes Fotografieren, wenn das in der Wirklichkeit häufig nur vorübergehend und kontingent Erscheinende im Bild die Form eines Besonderen gewinnt, das unsere Aufmerksamkeit nachhaltig auf sich zieht und zugleich als etwas Charakteristisches, allgemein Gültiges begriffen werden kann. So bleibt es über die Erinnerung an das konkrete Ereignis hinaus für uns attraktiv und bedeutsam.
Bei Elena Kaufmann mündet das beobachtende Fotografieren immer wieder in eine Emphase des Menschlichen und Verbindenden, das zu erkennen sie in besonderer Weise begabt ist. Mit ihrer Arbeit zur Erfurter jüdischen Gemeinde reiht sie sich in eine Traditionslinie der Life-Fotografie ein, der verschiedene international agierende Fotografen vor über siebzig Jahren mit der Gründung von MAGNUM PHOTOS ein Credo verliehen.

„70 Jahre Israel – Von der Idee zum lebendigen Staat“

Die Regionalgruppe Ilmenau-Arnstadt des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.“ lädt am Dienstag, dem 26. Juni 2018, ein, den Weg Israels von der Idee eines Judenstaates bis zur heutigen Realität mitzugehen.  Dazu hat sie den Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum, Pfarrer i.R. Ricklef Münnich, für einen Vortrag gewonnen. Er beginnt um 19.30 Uhr im Katholischen Gemeindehaus Ilmenau, Unterpörlitzer Str. 15. Der Eintritt ist frei.

„Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen.“ Diese Hoffnung setzte Theodor Herzl 1902 auf das Titelblatt seines Romans „Altneuland“. Aus der Visions Herzls sollte in weniger als 50 Jahren Wirklichkeit werden. Vor 70 Jahren, am Nachmittag des 14. Mai 1948, rief David Ben Gurion in Tel Aviv den Staat Israel aus.

Allerdings hatten die britische Kolonialpolitik und ihre Folgen dem neuen „Judenstaat“ (so Herzls Manifest) etliche Probleme ins Nest gelegt, die zum Teil bis heute ungelöst sind. Noch in derselben Nacht der Staatsgründung marschierten fünf arabische Armeen ein, um die Gründung des jüdischen Staates rückgängig zu machen. Das Ziel ist bis heute nicht aufgegeben.

Doch dem gegenüber steht heute Israel als einzigartige Erfolgsgeschichte. „Vom sozialistischen Staat zur High-Tech-Nation“ könnte man sie nennen. Den Weg dahin möchte Ricklef Münnich nachzeichnen. Er kennt das Land: Zwei Jahre studierte er an der Hebräischen Universität Jerusalem und besuchte Israel anschließend immer wieder allein oder mit Reisegruppen.

Wenn Protestanten von Jerusalem singen

Blickpunkt Jerusalem


Jerusalem ist wieder Thema. Nein, Jerusalem ist immer Thema!

Deshalb laden die Jüdische Landesgemeinde Thüringen und die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum zu einer Reihe von Veranstaltungen ein, die auch ein vertiefendes Gespräch ermöglichen sollen.

Pfarrer Teja Begrich (Mühlhausen) erläutert am Mittwoch, 20. Juni 2018, 19 Uhr, Schwierigkeit wie Notwendigkeit der „Jerusalem-Lieder“ im Evangelischen Gesangbuch.
„Jerusalem im Evangelischen Gesangbuch”
Mittwoch, 20. Juni 2018, 19 Uhr
Kultur- und Bildungszentrum
der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen
Juri-Gagarin-Ring 21, 99084 Erfurt
„Auch wenn wir von Jerusalem singen, transportieren wir Erwartungen und Sehnsüchte in diese Stadt – auch als Protestanten.“
Christian Kropp (Klavier & Querflöte, im Beruf Richter in Sondershausen)  bringt die Melodien einiger „Jerusalem-Lieder“ nahe.
Weitere Themen und Termine, immer mittwochs um 19 Uhr, im Kultur- und Bildungszentrum der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Juri-Gagarin-Ring 21, 99084 Erfurt:

■ 29. August 2018: Georg Rössler (Jerusalem), „Warum haben wir (fast) alle Aktien in Jerusalem?“ 
■ 17. Oktober 2018: Ricklef Münnich (Erfurt), „Hinauf nach Jerusalem. Die heilige Stadt im Neuen Testament“
Ein Einladungsplakat können Sie hier zum Download erhalten.

Festival 70 Jahre Israel

Feiern, informieren, tanzen – vom 25. – 27. Mai 2018 beim Festival „70 Jahre Israel“
in Berlin.

Unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble lädt die Deutsch-Israelische Gesellschaft zu drei Tagen voller Programm und Lebensfreude in die Station Berlin ein. Das Festival „70 Jahre Israel“ soll ein Beitrag sein, die Freundschaft zwischen Israel und Deutschland zu fördern und zu festigen. Umfangreiche Vorträge, Diskussionen und Präsentationen zeigen die Schönheit und Vielfalt Israels. Jede und jeder ist dazu eingeladen seinen Namen auf Hebräisch schreiben zu lernen, mediterrane Köstlichkeiten zu genießen, israelische und deutsche Filme zu schauen oder einfach zur Musik von MICAR zu feiern.

Der Eintritt ist frei.

Das Festival beginnt  am 25. Mai um 11:00 Uhr mit der festlichen Eröffnungsfeier, musikalisch begleitet von Startenor Björn Casapietra.

Mehr Informationen und Programm auf http://www.70-jahre-israel.digev.de/

Wann?
25. Mai 2018 ab 11 Uhr
26. Mai 2018 ab 12 Uhr
27. Mai 2018 ab 12 Uhr

Wo?
Station Berlin, Luckenwalder Straße 4-6, 10963 Berlin

Wir bitten um Ihre Anmeldung zur Eröffnungsfeier bis spätestens 23. Mai 2018.

Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Sämtliche Besucher werden Sicherheitsüberprüfungen unterzogen. Taschen, Rucksäcke und Handtaschen sowie Helme und Behältnisse aller Art sind verboten. Die Gäste werden ausdrücklich gebeten, auf deren Mitbringen zu verzichten, und sich ausschließlich auf wirklich notwendige Utensilien wie Handys, Schlüsselbund und Portemonnaies sowie Medikamente oder Kosmetika in Taschen bis zu einer maximalen Größe von DIN A4 zu beschränken. Die Einhaltung dieser Regeln und Hinweise sowie ein rechtzeitiges Eintreffen helfen dabei, den Einlass so zügig wie möglich zu organisieren.

Mit der Teilnahme an der Veranstaltung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Sie gegebenenfalls auf Aufnahmen zu sehen sind, die im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. verwendet werden.

100. Geburtstag von Estrongo Nachama sel.A.

Anlässlich des bevorstehenden Wechsels von Rabbiner Alexander Nachama von der Elbe an die Erfurter Gera kamen wir hier kürzlich auf seinen Großvater zu sprechen. Morgen, am 4. Mai 2018, würde Estrongo Nachama 100 Jahre alt werden.

Aus diesem Anlass hat die Journalistin Claudia Keller über den einstigen Oberkantor und seine Frau Lilli im Verlag Hentrich & Hentrich eine „Jüdische Miniatur“ verfasst, auf die wir gerne aufmerksam machen.

Claudia Keller
Lilli und Estrongo Nachama
Zwei Solisten – ein Paar
80 Seiten, Broschur, 17 Abbildungen
ISBN: 978-3-95565-268-5, EUR 8,90
Jüdische Miniaturen Bd. 223

Die Verlagsankündigung: „Estrongo Nachama wurde am 4. Mai 1918 in Saloniki geboren und war von 1947 bis 2000 Kantor und später Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Mit seiner warmen Baritonstimme füllte er Konzertsäle und Stadthallen und begeisterte Zuhörer in West- und Ostdeutschland. Estrongo Nachama war aber noch viel mehr als ein großartiger Sänger, Vorbeter und mitreißender Entertainer: Er war die Seele der jüdischen Gemeinschaft. Ihm und seiner Frau Lilli gelang es, in Berlin Wurzeln zu schlagen und eine Familie zu gründen. Das war nicht selbstverständlich, denn die Nationalsozialisten hatten ihnen fast alles geraubt, woran ihr Herz hing. Die beiden fanden sehr ungewöhnliche Wege, um sich eine neue Heimat zu schaffen. Sie erzählen viel über die Hoffnungen, Sehnsüchte und Abgründe zweier Menschen, die versuchten zu leben, nachdem sie überlebt hatten.“