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„Wir können und müssen vom Judentum lernen“

Pressemitteilung des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ vom 27.10.2015:

„Kirche kann und muss vom Judentum lernen“
Der Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim ZdK gedenkt „Nostra Aetate“

ZdK-Logo-RGB-„Gott wirkt weiterhin im Volk des Alten Bundes. Schon allein deshalb sind Israel und Kirche untrennbar miteinander verbunden. Wir können und müssen vom Judentum lernen“, bilanzierte Dr. Gregor Hoff, Professor für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie an der Paris-Lodron-Universität Salzburg, beim Symposion zum 50. Jahrestag der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ in Würzburg. Unter der Überschrift „Eine bleibende Verpflichtung“ hatte der Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) für den 25. und 26. Oktober in die Residenzstadt geladen, um das Jubiläum eines der am intensivsten rezipierten Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils zu begehen.

Die rund 100 Teilnehmer, unter denen auch viele junge Studentinnen und Studenten waren, beteiligten sich sehr intensiv an der offenen Fragerunde in der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, dem ein geschichtlicher Rückblick von Dr. Dorothee Recker und der Beitrag von Professor Dr. Hoff vorangegangen waren. „In der Erklärung „Nostra Aetate“ äußerte sich die katholische Kirche erstmals in ihrer Geschichte positiv zu anderen Religionen“ unterstrich Recker und dokumentierte den Beratungsverlauf als „ausgesprochen schwierig, aber erfolgreich“. Die erarbeitete „Forderung nach gegenseitiger Kenntnis und Achtung, die Verurteilung jeglicher Form des Antisemitismus“ habe auch in der Gegenwart „Bedeutung und Gewicht“.

Auch Hoff, der seit März 2014 Berater von Papst Franziskus zum Judentum ist, lobte das Konzilsdokument als „wegweisend“. Die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum hätten sich seitdem in vieler Hinsicht intensiviert und durchschlagend verbessert. Zugleich mahnte er notwendige Erweiterungen an: „Ein Bekenntnis der kirchlichen Schuld am Judentum sollte in die Liturgie eingebaut werden.“
Im „Museum Shalom Europa“ und dem Jüdischen Gemeindezentrum Würzburgs wurden die Eindrücke des Tages bei einem geselligen Empfang mit Impulsvorträgen und Diskussionen weiter vertieft.

Die Beiträge des zweiten Veranstaltungstages nahmen starken Bezug auf den Dialog der Religionen: Dr. Andreas Renz, Mitglied des Gesprächskreises „Christen und Muslime“ beim ZdK, Fachreferent für interreligiösen Dialog im Erzbistum München und Freising und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München, hob die Aktualität der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ hervor: „Die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen ist heute genauso bedeutsam wie bei ihrer Unterzeichnung vor 50 Jahren. Die christliche Theologie des Judentums muss Grundlage einer allgemeinen christlichen Theologie der Religionen sein. Das bedeutet, dass der christlich-jüdische Dialog Grundlage des Dialogs mit allen anderen Religionen sein muss, auch des christlich-islamischen Dialogs.“

Zu diesem Fazit kam auch Dagmar Mensink, Mitglied des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim ZdK und Referentin für Kirchen und Religionsgemeinschaften beim Parteivorstand der SPD: „Indem das jüdisch-christliche Gespräch im praktischen Vollzug jede allzu selbstgewisse Theologie in ihre Schranken verweist, erhebt es zugleich entschiedenen Einspruch gegen alle fundamentalistischen Überhöhungen eines einzigen Glaubens. Und es fordert dazu auf, Pluralität zu denken, ohne das eigene Bekenntnis zu verwässern.“

Was ist das Gegenteil von „Jude“?

Eine Frage, die im christlich-jüdischen Verhältnis ja durchaus relevant sein könnte. Gestellt hat sie der Berliner „Tagesspiegel“. Aber da ging es um Gewalt:

35-format13Es ist etwa 6.30 am Sonntagmorgen, als der U-Bahnzug der Linie 12 auf dem Bahnhof Hallesches Tor hält. Ein junger Mann steigt aus und wird in diesem Augenblick von einem Unbekannten gefragt, ob er Jude sein. Obwohl das Gegenteil stimmt, bejaht der 25-Jährige die Frage, und da setzt es schon einen Schlag. Der Unbekannte hatte ihm laut Polizeibericht ins Gesicht geschlagen…

Aufmerksam gemacht auf diese Meldung hat Tapfer im Nirgendwo.

Mehr Engagement für Dialog mit Juden

Erfurt (epd). Im Vorfeld der jüdischen Kulturtage in Thüringen hat der Beirat für christlich-jüdischen Dialog der mitteldeutschen Kirche mehr kirchliches Engagement für gegenseitige Begegnungen angemahnt.

9ad2d7d8bee544c18300036ce8495c13_1024x0Dieser Dialog gehöre „zu unserem Auftrag als Kirche“, betont das Gremium in einer Erklärung, deren Entwurf dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Zugleich bekennt das Papier ausdrücklich „Schuld und Versagen in unseren Kirchen und im deutschen Protestantismus“ beim Umgang mit Martin Luthers Judenfeindschaft. Die Tage der jüdisch-israelischen Kultur beginnen am Samstag (24.10.2015) in Gera.

In dem kirchlichen Entwurfspapier heißt es, Luthers Texte seien „eine Quelle des Antisemitismus im 20. Jahrhundert“ gewesen, der „für die Mehrheit der Juden Europas mit dem Tod endete“. Vor diesem Hintergrund sei es eine Verpflichtung, „jeder Form von Antisemitismus und Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft zu widersprechen“. Weiter wird betont: „Wir hoffen trotz der Schuld unserer Kirche auf vertrauensvolle Begegnungen mit den unter uns lebenden Jüdinnen und Juden.“

Die Erklärung erinnert zudem an das antisemitische „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das kirchliche Leben in Deutschland“, das 1939 von 13 evangelischen Landeskirchen in Eisenach gegründet wurde. „Nach 1945 distanzierte sich die Kirche nicht deutlich von denen, die dieses Institut maßgeblich mitverantwortet haben“, stellt der Beirat der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) fest. Eine kritische Auseinandersetzung mit antijüdischen Interpretationen der christlichen Bibel sei unerlässlich.

Gleichzeitig wird dazu aufgefordert, in der Theologenausbildung und im kirchlichen Leben „das religiöse Selbstverständnis des Judentums zu achten und zu dessen Kenntnis beizutragen“. Dazu gehöre auch, „für Religionsfreiheit und die religiöse Pluralität unserer Gesellschaft einzustehen und jeder drohenden Entrechtung, Diskriminierung und Zerstörung jüdischen Lebens und jüdischen Erbes entgegenzutreten“. Das Papier soll nächstes Jahr von der Landessynode der EKM beraten und beschlossen werden.

Extremisten brennen Kirche in Bethlehem nieder

Mar Charbal-KircheDie maronitische Mar Charbal-Kirche im Wadi Maali Viertel in Bethlehem ist durch ein Feuer teilweise niedergebrannt. Das Feuer sei im zweiten Stock des Klosters ausgebrochen, habe aber Schaden an anderen Teilen des Gebäudes angerichtet. Das berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan in einer kurzen lakonischen Meldung. Verletzte habe es nicht gegeben. Die palästinensische Polizei, die Stromgesellschaft und die Abteilung für Zivilverteidigung hätten eine Untersuchung des Brandes eingeleitet.

Während Präsident Mahmoud Abbas und die palästinensische Regierung eisern schweigen, behauptete der griechisch-orthodoxe Priester Gabriel Nadaf aus Nazareth, dass die Kirche mehrmals von „palästinensischen Extremisten“ bedroht worden sei und dass die in der Nacht zum Sonntag das Feuer gelegt hätten. „Ich verurteile von Herzen die Gleichgültigkeit der palästinensischen Behörde, wenn es um den Schutz christlicher Stätten unter ihrer Kontrolle geht. Ich hoffe, dass die Christenführer, die nach der Brandschatzung der Brotvermehrungskirche in Tabgha demonstriert haben, auch jetzt wegen dieser schrecklichen Tat demonstrieren werden.“

Nadaf beklagte weiter, dass es zahlreiche Attacken gegen christliche Stätten in den palästinensischen Gebieten gegeben habe, dass aber die Autonomiebehörde dazu geflissentlich schweige, weil sie derartige Verstöße gegen die Religionsfreiheit in ihren Gebieten „unter den Teppich“ kehre.

In dem Maali-Viertel zwischen Bethlehem und dem Flüchtlingslager Dehaische gibt es eine hohe Konzentration muslimischer Extremisten angesichts wiederholter Razzien und Verhaftungen durch israelische Soldaten.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat den Brand auf seiner Facebook-Seite kommentiert: „Leider ist Israel das einzige Land im Nahen Osten, in dem die christliche Gemeinschaft wächst. Woanders werden Christen angegriffen und verfolgt, auch in der palästinensischen Autonomiebehörde, Bethlehem inbegriffen, der Geburtsstätte des Christentums. Auch dort schrumpft die christliche Gemeinde.“ Weiter schrieb Netanjahu: „Falls die Kirche von Extremisten angezündet worden ist, erwarte ich von der Autonomiebehörde, alles in ihren Kräften stehende zu tun, die Verantwortlichen zu fangen, so wie es Israel getan hat nach Angriffen auf Heilige Stätten aller Religionen.“

Vorläufig haben weder internationale Nachrichtenagenturen noch israelische Medien den Brand in Bethlehem aufgegriffen, mit einer Ausnahme. Die Brandschatzung des Klosters in Tabgha am See Genezareth hatte hingegen tagelang große Schlagzeilen gemacht hat, wahrscheinlich, weil extremistische Juden als Täter verdächtigt worden sind. Mehrere radikale Juden wurden verhaftet und warten auf ihren Prozess. Inzwischen hat Staatsanwalt Jehuda Weinstein erklärt, dass der Staat Israel für die Schäden an dem deutschen Benediktinerkloster aufkommen werde.

© Ulrich W. Sahm