Kolloquium zum „Guten Konrad“ von Weißensee

Der Fall Conrad Bächerer

1303_2„Unter der Regierung des Landgrafen Friedrich I. ereignete sich im Jahre 1303 zu Weißensee ein merkwürdiger Fall. Es wurde nämlich eines Tages in aller Frühe in einer Hütte der Weinhöfe bei Weißensee ein Knabe und Schüler namens Conrad Bächerer, dessen Vater wahrscheinlich früher in Sömmerda ansässig gewesen war und daher Berld von Somerde, Ritter und Burgmann zu Weißensee genannt wird, aufgehängt gefunden.

Man bürdete nach der Sitte der damaligen Zeiten die Ermordung dieses Knaben sofort den Juden auf, welche der Sage nach vor jedem Osterfeste einen Christen zur Wiederholung der Kreuzigung Jesu töteten, und fand darin einen willkommenen Vorwand zu einer allgemeinen Judenverfolgung, nicht allein in der Stadt Weißensee und Umgegend, sondern in ganz Thüringen, wobei viele Juden erschlagen wurden und nur wenige mit ihrer Habe sich retten konnten.“ (F.B. von Hagke, Urkundliche Nachrichten, 1867)

Die Eintragung im Nürnberger Memorbuch unter dem 7. Nissan 5063 (= 25. März 1303) als Datum der Vernichtung der jüdischen Gemeinde von Weissensee nennt 123 Opfer des Pogroms, die im Verlauf eines furchtbaren Massakers auf der Runneburg umgebracht wurden. Eine andere Quelle nennt 144 getötete Weissenseer Jüdinnen und Juden. Von den Nachbargemeinden, die gleichfalls von der Verfolgung heimgesucht wurden, nennt das Gedenkbuch die Gemeinde Gotha mit 8 Opfern, ferner Kölleda und Bad Tennstedt.

Die Heiligenlegende

„Da man nun den Schüler begraben wollen, und ihn in S. Peters Kirche getragen, soll in Beysein hochgedachten Landgraf Friedrichs ein Wunderzeichen dabey geschehen seyn, daß, ein Lahmer alsobald gesund und gerade worden.“ (Andreas Toppius, 1646)

Weitere Wunderzeichen wie eine Unverweslichkeit des Leichnams führten dazu, dass am 1. April 1303 der Tote in der Weißenseer Stadtkirche ehrenvoll begraben wurde, nachdem zuvor die rechte Hand als Reliquie abgetrennt worden war. In der Folgezeit sollen sich weitere Heilungswunder ereignet haben.

Die Auffindung der Gebeine

Gebeine Conrad WeissenseeAm 3. Dezember 2013 wurden im Zuge der Sanierung der Stadtkirche die Gebeine von Conrad freigelegt. Schädel und Knochen des jungen Mannes waren in ein braunes Tuch eingeschlagen und in ein Weihwasserbecken aus Sandstein gelegt worden. Kirchenhistoriker Dr. Hartmut Kühne: „In Deutschland kenne ich keine vergleichbare Situation, wo man ein spätmittelalterliches Heiligengrab noch vor Ort untersuchen kann.“

Das Kolloquium

Landesbischöfin Ilse Junkermann: „Der Tod des ‚Guten Konrad‘ von Weißensee, das sich anschließende Pogrom, bei dem die jüdische Bevölkerung Weißensees und benachbarter Orte hingerichtet wurde, die hohe kultische Verehrung des ‚Guten Konrad‘, die Bezugnahme und Eingriffe in der Reformation und v.a. das Gedenken an alle Opfer aus dem Jahr 1303 verlangen eine intensive historisch-theologische Auseinandersetzung und Aufarbeitung.“

„Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und der Freistaat Thüringen vertreten durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie wollen die Annäherung an diesen komplexen Themenkreis mit einem wissenschaftlichen Kolloquium befördern.
Im Namen beider Veranstalter lade ich Sie herzlich zu einem Kolloquium am 13. November 2015 auf die Runneburg in Weißensee ein!“

Wissenschaftliches Kolloquium zum „Guten Konrad“ von Weißensee (Thüringen)
am Freitag, dem 13. November 2015, von 9.30 – 17 Uhr

Ort: Runneburg, 99631 Weißensee, Burgstraße 8, Festsaal (ehemaliges preußisches Landratsamt)

Das Programm (PDF, 125 kB)
Anmeldung Kolloqium Weißensee Guter Konrad (PDF, 103 kB)

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