Mehr Engagement für Dialog mit Juden

Erfurt (epd). Im Vorfeld der jüdischen Kulturtage in Thüringen hat der Beirat für christlich-jüdischen Dialog der mitteldeutschen Kirche mehr kirchliches Engagement für gegenseitige Begegnungen angemahnt.

9ad2d7d8bee544c18300036ce8495c13_1024x0Dieser Dialog gehöre „zu unserem Auftrag als Kirche“, betont das Gremium in einer Erklärung, deren Entwurf dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Zugleich bekennt das Papier ausdrücklich „Schuld und Versagen in unseren Kirchen und im deutschen Protestantismus“ beim Umgang mit Martin Luthers Judenfeindschaft. Die Tage der jüdisch-israelischen Kultur beginnen am Samstag (24.10.2015) in Gera.

In dem kirchlichen Entwurfspapier heißt es, Luthers Texte seien „eine Quelle des Antisemitismus im 20. Jahrhundert“ gewesen, der „für die Mehrheit der Juden Europas mit dem Tod endete“. Vor diesem Hintergrund sei es eine Verpflichtung, „jeder Form von Antisemitismus und Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft zu widersprechen“. Weiter wird betont: „Wir hoffen trotz der Schuld unserer Kirche auf vertrauensvolle Begegnungen mit den unter uns lebenden Jüdinnen und Juden.“

Die Erklärung erinnert zudem an das antisemitische „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das kirchliche Leben in Deutschland“, das 1939 von 13 evangelischen Landeskirchen in Eisenach gegründet wurde. „Nach 1945 distanzierte sich die Kirche nicht deutlich von denen, die dieses Institut maßgeblich mitverantwortet haben“, stellt der Beirat der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) fest. Eine kritische Auseinandersetzung mit antijüdischen Interpretationen der christlichen Bibel sei unerlässlich.

Gleichzeitig wird dazu aufgefordert, in der Theologenausbildung und im kirchlichen Leben „das religiöse Selbstverständnis des Judentums zu achten und zu dessen Kenntnis beizutragen“. Dazu gehöre auch, „für Religionsfreiheit und die religiöse Pluralität unserer Gesellschaft einzustehen und jeder drohenden Entrechtung, Diskriminierung und Zerstörung jüdischen Lebens und jüdischen Erbes entgegenzutreten“. Das Papier soll nächstes Jahr von der Landessynode der EKM beraten und beschlossen werden.

One thought on “Mehr Engagement für Dialog mit Juden

  1. Besser spät als nie!
    Bis zu dieser hier vorliegenden Erkenntnis hat es sehr lange Zeit gebraucht, zu lange.
    Bei manchem, auch Pastoren wirkt der üble Teil Luthers noch heute nach. Sie ersetzen nur den Terminus Juden mit Zionisten und schon glauben sie keine Antisemiten zu sein.

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