Rabbiner Alexander Nachama wechselt nach Erfurt

Zum 1. September 2018 bekommt die Jüdische Landesgemeinde Thüringen einen neuen Rabbiner. Es ist Alexander Nachama, der von Dresden in die Landeshauptstadt Erfurt wechselt.

Der Name Nachama hat vor allem bei den „alteingesessenen“ Gemeindegliedern der Zeit vor 1989, von denen es freilich nicht mehr sehr viele gibt, einen guten und vertrauten Klang. War es doch Estrongo Nachama sel. A., der frühere Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der zu DDR-Zeiten immer wieder mal nach Erfurt fuhr, wenn er gebraucht wurde: Zu einer Bar Mizwa in der Synagoge am Juri-Gagarin-Ring oder zu einer Beisetzung auf dem Jüdischen Friedhof an der Werner-Seelenbinder-Straße. „Hat nichts als Singen im Sinn“, stand in seiner Stasi-Akte.

Rabbiner Alexander Nachama ist sein Enkel. Mit dem Rabbinerberuf setzt er die Familientradition fort. Sein Vater, der Historiker Prof. Dr. Andreas Nachama, amtiert als Rabbiner ehrenamtlich in der Berliner liberalen Synagoge Herbartstraße. Auch in der Zuordnung innerhalb der religiösen Richtungen des Judentums (orthodox, liberal, reformiert, aschkenasisch oder sefardisch) setzt Alexander die Familienlinie fort.

In der liberalen Charlottenburger Synagoge in der Pestalozzistraße, in der Estrongo Nachama wirkte, sang er zur Orgel und ein Chor begleitete den Gottesdienst – undenkbar im „klassischen“ Judentum und natürlich vom christlichen Gottesdienst „abgeguckt“. Auch in der großen Erfurter Synagoge, die in der Nacht 9./10. November 1938 angezündet und niedergebrannt wurde, stand  eine Orgel. Hier wie in anderen Städten führte die Einführung der Orgel in den jüdischen Gottesdienst übrigens zur Spaltung in eine orthodoxe und eine liberale Gemeinde.

Insofern „passt“ Rabbiner Alexander Nachama natürlich nach Erfurt. Während der gegenwärtige Landesrabbiner Benjamin Kochan (in Erfurt seit 2015) der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) angehört, ist Rabbiner Nachama Mitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK).

Alexander Nachama, geboren 1983 in Frankfurt am Main, erhielt im Februar 2005 in der berühmten amerikanischen Rabbiner- und Kantorenschule „Aleph“ seine Urkunde als Kantor. 2008 bekam er einen Bachelor in Judaistik (Freie Universität Berlin), 2013 einen Master (Universität Potsdam). Ab 2007 absolvierte er eine Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg mit Studienaufenthalten in Israel, unter anderem am Steinsaltz-Institut in Jerusalem. In seiner Masterarbeit beschäftigte er sich mit dem Anzünden der Schabbatkerzen. 2013 wurde er vom Abraham Geiger Kolleg zum Rabbiner ordiniert.

Gefragt, was seine wichtigsten Ziele sind, sagte er: „Das friedliche Zusammenleben aller Religionen und Konfessionen sowie die Normalisierung des Miteinander von jüdischen und nichtjüdischen Menschen in Deutschland.“

 

 

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