Rückblick (1): „Der blinde Luther“

Augenblick mal

Unter diesem Titel ist täglich um 6:20 und 9:20 Uhr bei MDR THÜRINGEN das Wort zum Tag zu hören. In der vergangenen Woche hat es Ralf-Uwe Beck gesprochen.

Am Mittwoch, dem 11.11.2015, nannte er seinen Beitrag „Der blinde Luther“ und ging auf das Luther-Projekt der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum am Erfurter Anger ein:

Lutherdenkmal_5Gestern 10.30 Uhr in Erfurt. Tatort: Luther-Denkmal vor der Kaufmannskirche, ganz in der Nähe vom Kaufhaus Anger 1. Sechs Meter hoch ragt das Denkmal auf: Hälfte Sockel, Hälfte Luther.

Eigentlich sollte dem Luther eine goldene Schärpe umgehängt werden, wegen seines Geburtstages. Und: Ihm sollten die Augen verbunden werden. Sollten. Die Aktion durfte so nicht stattfinden, verboten von der Stadt Erfurt. Die Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum waren dennoch vor Ort. Aufmerksam machen will sie auf Luthers Judenhass. Dieser Hass hat ihn blind werden lassen. Weil die Juden sich nicht haben zum christlichen Glauben bekehren lassen, hat er sie aufs Übelste beschimpft und ihre Verfolgung gut geheißen. Später haben sich die Nazis auf Luther berufen und die Neu-Nazis käuen es bis heute wider.

Als Begründung für das Verbot hat die Stadt Erfurt angeführt: Die Würde Luthers würde damit verletzt werden. Ja klar, das Denkmal steht dort, ihm die Ehre zu geben. Wo kämen wir da hin, wenn jeder sein Spielchen treibt! Wo wir da hinkämen? Vielleicht ins Nachdenken. Wie werden wir der Würde Luthers gerecht? Indem wir ihn, der keine Heiligenverehrung wollte, zum Heiligen machen und sein Fehlverhalten ausblenden? Ein gutes Denkmal fordert uns heraus: Denk-mal-nach! Die Binde vor Luthers Augen hätte manchem vielleicht die Augen geöffnet. Nötig haben wir es. Wie auch die Erfurter Bürokraten.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.

Zurzeit ist der Audiobeitrag noch in der Mediathek:

MDR THÜRINGEN – Das Radio
Augenblick mal am 11.11.2015 (Verkündigungssendung)
01:39 min – Anhören

Download MP3 | 1,5 MB

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